§ 6b Fonds - einfach erklärt: Struktur, Hebel und Risiken
Die Reinvestition stiller Reserven über § 6b EStG Fonds gilt als Königsdisziplin der steuerlichen Gestaltung für Unternehmer und Landwirte. Doch aktuelle BFH-Urteile zur Bilanzierungskontinuität und veränderte Marktzinsen haben die Parameter verschoben. Eine umfassende Analyse der Funktionsweise, der neuen Compliance-Hürden und der marktgängigen Asset-Klassen.
Überblick: 6b Fonds
LIQUIDITÄTSEFFEKT Durch die Übertragung stiller Reserven auf einen Fondsanteil wird die sofortige Besteuerung des Veräußerungsgewinns vermieden und die Liquidität im Unternehmen gehalten.
HEBEL-WIRKUNG Investoren müssen durch Fremdkapitalstrukturen oft nur ca. 40–50 % der Rücklagensumme als Eigenkapital einbringen, um 100 % der Steuerlast zu neutralisieren.
BILANZ-RISIKO Nach dem BFH-Urteil XI R 27/22 ist die korrekte Führung von Ergänzungsbilanzen entscheidend; Fehler führen zur rückwirkenden Versagung der Steuervorteile.
AGRAR-SPEZIFIKA Für Landwirte sind diese Fonds oft der einzige Weg, Gewinne aus Baulandverkäufen steuerschonend zu sichern, da eigene Reinvestitionsobjekte („Grund und Boden“) fehlen.
Inhaltsverzeichnis
- Status Quo: Die steuerliche Falle bei Unternehmensverkäufen
- 6b Fonds Erklärung: Die Mechanik der steuerneutralen Übertragung
- Der 6b Fonds Hebel: Detaillierte Szenario-Rechnung
- Praxis-Fallstudien: Unternehmer vs. Landwirt
- 6b-Fonds vs. Direktinvestition: Wann welche Lösung besser ist
- 6b Fonds Investitionsmöglichkeiten: Asset-Klassen im Deep Dive
- Risiko-Analyse: BFH-Rechtsprechung und Compliance
- Der Exit: Ablauf und Optionen
- Checkliste für Investoren: 10-Punkte Due Diligence
- Fazit und Ausblick
Status Quo: Die steuerliche Falle bei Unternehmensverkäufen und § 6b
Wer als Unternehmer, Gesellschafter einer Personengesellschaft oder Landwirt Anlagevermögen veräußert, sieht sich oft mit einer enormen Diskrepanz konfrontiert: Der Buchwert in der Bilanz ist durch jahrelange Abschreibungen niedrig (oft bei 1 Euro Erinnerungswert), der realisierte Verkaufspreis am Markt jedoch historisch hoch. Die Differenz – die stille Reserve – unterliegt im Jahr des Verkaufs der sofortigen Besteuerung.
Bei einem Spitzensteuersatz von 42 % oder 45 % (Reichensteuer) zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer bedeutet dies einen massiven Liquiditätsabfluss. Von 1 Million Euro Verkaufserlös fließen im schlechtesten Fall fast 500.000 Euro an den Fiskus ab – Liquidität, die dem Unternehmen für Neuinvestitionen, Schuldentilgung oder die Altersvorsorge fehlt.
Der Gesetzgeber hat mit § 6b EStG ein Instrument geschaffen, um diesen Gewinn auf neue Wirtschaftsgüter zu übertragen („6b Rücklage“). Das Problem in der unternehmerischen Praxis: Oft fehlt im eigenen Betrieb ein sinnvolles Investitionsobjekt, oder die strikte Reinvestitionsfrist von vier Jahren (bei Neubauten sechs Jahre) droht abzulaufen. Hier setzen 6b Fonds als institutionalisierte Lösung an. Sie fungieren als externes Reinvestitionsgut, das es ermöglicht, die Steuerlast in die Zukunft zu verschieben.
6b Fonds Erklärung: Funktionsweise der steuerneutralen Übertragung
Ein § 6b Fonds ist technisch gesehen kein Finanzprodukt im klassischen Sinne, sondern eine unternehmerische Beteiligung, meist in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG. Diese Struktur ist zwingend, da nur Personengesellschaften steuerlich transparent sind. Das bedeutet, das Finanzamt betrachtet nicht den Fonds als Steuersubjekt, sondern „schaut durch ihn hindurch“ auf den einzelnen Anleger (Mitunternehmer).
Die Übertragung der Rücklage erfolgt in einem dreistufigen Prozess, der präzise bilanziell abgebildet werden muss:
Bildung der Rücklage
Im Jahr des Verkaufs wird der Gewinn nicht versteuert, sondern bilanziell in eine passivierte Rücklage eingestellt. Dies mindert den steuerpflichtigen Gewinn des Verkaufsjahres.
Übertragung
Der Investor zeichnet einen Anteil an einem 6b Fonds. Steuerrechtlich erwirbt er damit anteilig Gebäude sowie Grund & Boden. Die gebildete Rücklage wird nun von der Bilanz des Investors auf seine Beteiligung am Fonds übertragen.
Steuereffekt
Das technische Herzstück: Dies geschieht über eine sogenannte Ergänzungsbilanz. Der Anschaffungswert der Fondsbeteiligung wird um die Rücklage gemindert, oft bis auf 0 €. Zukünftige Abschreibungen entfallen, aber die initiale Steuerlast ist vermieden.
Hinweis zum Steuereffekt: Da der steuerliche Buchwert der Beteiligung auf 0 Euro sinkt, liegt der Gewinn im Zinseszinseffekt der gestundeten Steuer über Laufzeiten von oft 15 bis 20 Jahren.
Der 6b Fonds Hebel: Steuerstundung & Szenario-Rechnung
Das zentrale Argument, warum Investoren 6b Fonds kaufen, ist der sogenannte Hebel-Effekt (Leverage). Würde ein Unternehmer eine Ersatzimmobilie direkt kaufen (z. B. eine Eigentumswohnung), müsste er oft den vollen Kaufpreis als Eigenkapital aufbringen oder seine persönliche Bonität für Bankdarlehen belasten, um die Rücklage in gleicher Höhe zu übertragen.
Bei einem 6b Fonds hingegen zählen auch die vom Fonds aufgenommenen Bankdarlehen zu den steuerlichen Anschaffungskosten des Anlegers. Da professionelle Immobilienfonds häufig mit einer Fremdkapitalquote von ca. 50–60 % arbeiten, entsteht ein Multiplikator für das Eigenkapital des Anlegers. Der Anleger "kauft" sich steuerlich in die Schulden des Fonds ein, was in diesem speziellen Fall positiv ist, da Schulden ebenfalls Anschaffungskosten darstellen, auf die Rücklagen übertragen werden können.
Beispiel zum Hebel-Faktor: Bei einer Fremdkapitalquote von 50 % beträgt der sogenannte 6b-Faktor 2,0. Das bedeutet konkret: Wenn Sie 50.000 Euro Eigenkapital investieren, können Sie steuerlich 100.000 Euro Rücklage übertragen, da der Fonds für jeden Euro Eigenkapital einen weiteren Euro Fremdkapital aufnimmt, der ebenfalls als Anschaffungskosten gilt.
Vergleichsrechnung: Direktinvestition vs. Fonds
Das folgende Szenario verdeutlicht den Liquiditätsvorteil anhand einer zu sichernden Rücklage von 500.000 Euro.
| Position | Szenario A: Direktinvestition | Szenario B: § 6b Fonds (Faktor 2,2) |
|---|---|---|
| Zu sichernde Rücklage | 500.000 € | 500.000 € |
| Notwendiges Investitionsvolumen | 500.000 € (Kaufpreis Immobilie) | 500.000 € (Steuerliches Volumen) |
| Notwendiges Eigenkapital | 500.000 € (oder volle Kreditbelastung) | ca. 227.000 € |
| Anteiliges Fremdkapital (Fonds) | 0 € | ca. 273.000 € |
| Liquiditätseffekt im Unternehmen | 0 € (Liquidität gebunden) | + 273.000 € (Freie Liquidität) |
Ergebnis: In Szenario B deckt der Investor die 500.000 Euro Rücklage vollständig ab, muss aber physisch nur ca. 227.000 Euro Liquidität binden. Die verbleibenden 273.000 Euro verbleiben im Unternehmen zur freien Verfügung, etwa für den Abbau von teuren Kontokorrentkrediten oder operative Investitionen.
Praxis-Fallstudien zur Reinvestition: Unternehmer vs. Landwirt
Die Anwendung von 6b Fonds Investitionsmöglichkeiten unterscheidet sich je nach Herkunft der Rücklage massiv. Nicht jede Rücklage ist gleich. Die steuerlichen Feinheiten hängen stark davon ab, ob das veräußerte Gut aus dem landwirtschaftlichen Bereich oder dem Gewerbe stammt. Eine maßgeschneiderte Betrachtung ist daher unerlässlich. Hier zwei typische Fälle aus der Beratungspraxis.
Ein Landwirt verkauft Ackerland am Stadtrand, das zu Bauland wurde.
Verkaufspreis: 1.020.000 €
Stille Reserve: 1.000.000 €
Das Problem: Gemäß § 6b Abs. 4 EStG darf eine Rücklage aus Grund und Boden auch nur auf Grund und Boden übertragen werden – nicht auf Gebäudeanteile. Kauft er eine Wohnung, verliert er oft 80% des Steuervorteils.
Die 6b-Lösung
Er zeichnet einen spezialisierten 6b Fonds mit Asset-Split. Der Landwirt ordnet seine Rücklage spezifisch dem hohen Grundstücksanteil (Gewerbepark) des Fonds zu.
Risiko: Ohne passenden Boden-Anteil droht die sofortige Besteuerung.
Ein Gesellschafter (63 Jahre) verkauft seinen Anteil an einer Maschinenbau-KG.
Ziel: Ruhestand ohne Neugründung
Das Problem: Zahlt er die Steuern sofort, schmilzt sein Altersvermögen massiv ab.
Die 6b-Lösung
Er schiebt den Gewinn in einen breit gestreuten Immobilienfonds.
- Vermeidung von ca. 900.000 € sofortigem Steuerabfluss.
- Investiert 900.000 € EK in Fonds (konservativer Hebel).
Strategie: Verschiebung der Steuerlast in die Rentenphase (Progressionsvorteil).
6b-Fonds vs. Direktinvestition: Wann welche Lösung besser ist
Die Entscheidung, ob die Rücklage in ein eigenes Objekt (Direktinvestition) oder in einen Fonds übertragen wird, hängt von individuellen Präferenzen und der Risikotragfähigkeit ab.
| Kriterium | Direktinvestition (z.B. ETW) | 6b-Fonds Beteiligung |
|---|---|---|
| Liquiditätsbindung | Hoch (Oft 100% EK nötig) | Gering (Nur ca. 40-50% EK nötig) |
| Kontrolle | Vollständig (Alleinentscheider) | Eingeschränkt (Mitbestimmung per Gesellschafterversammlung) |
| Fristendruck-Lösung | Schwierig (Objektsuche dauert) | Schnell (Zeichnung in Tagen möglich) |
| Risiko-Struktur | Klumpenrisiko (Ein Objekt/Mieter) | Diversifikation (Oft mehrere Objekte) |
| Steuer-Aufwand | Hoch (Selbstverwaltung nötig) | Niedrig (Zentrale Verwaltung durch Fonds) |
| Exit-Flexibilität | Jederzeit (Verkauf am Markt) | Möglich (Verkauf am Zweitmarkt) |
Wann ist die Direktinvestition besser?
- Wenn Sie maximale Kontrolle über die Immobilie wollen.
- Wenn Sie über ausreichendes Eigenkapital/Bonität verfügen.
- Wenn Sie lokale Marktkenntnisse und Handwerker-Netzwerke haben.
- Wenn die Reinvestitionsfrist noch nicht akut abläuft.
- Wenn Sie das Objekt privat nutzen oder an Angehörige vermieten wollen.
Wann ist der 6b-Fonds besser?
- Wenn Sie Liquidität im operativen Geschäft behalten müssen (Hebel).
- Wenn Sie keine Zeit für Verwaltung und Mieterbetreuung haben.
- Wenn Ihnen im eigenen Betrieb das passende Objekt fehlt (z.B. Landwirte).
- Wenn die 4- bzw. 6-Jahres-Frist kurz vor dem Ablauf steht.
- Wenn Sie Risiken über Standorte und Mieter streuen wollen.
6b Fonds Investitionsmöglichkeiten: Passende Asset-Klassen
Die Wahl der Asset-Klasse entscheidet über die Sicherheit der Struktur über die nächsten 15+ Jahre. Der Markt hat sich aktuell deutlich ausdifferenziert.
1. Nahversorgung & LEH
Fonds, die in Supermärkte, Discounter oder Fachmarktzentren investieren.
- Pro: Konjunkturunabhängig. Mieter (EDEKA, REWE, Aldi) haben höchste Bonität. Mietverträge oft 10–15 Jahre fest.
- Contra: Niedrige Anfangsrenditen (3–4 %) reduzieren den Hebel.
2. Sozialimmobilien & Pflege
Investitionen in Pflegeheime, Betreutes Wohnen oder Ärztehäuser.
- Pro: Steigende Nachfrage durch demografischen Wandel. Refinanzierung über Pflegekassen.
- Contra: Betreiberrisiko (siehe Insolvenzen). Pachtausfallwagnis muss geprüft werden.
3. Erneuerbare Energien
Fonds, die Solar- oder Windparks betreiben.
- Pro: Langfristige Abnahmeverträge (EEG/PPA). Hohe Abschreibungen.
- Contra: Wetterabhängigkeit & technisches Risiko. Steuerliche Anerkennung oft komplex.
4. Büroimmobilien
Lange Zeit der Standard, heute im Wandel durch Homeoffice & ESG.
- Pro: Moderne Green-Building-Konzepte in Top-Lagen bieten inflationsgeschützte Mieten und langfristige Stabilität.
- Contra: Ältere Bestandsflächen (B-Lagen) erfordern oft hohen CapEx für ESG-Sanierung.
§ 6b Fonds Risiken und BFH-Rechtsprechung
Das Thema 6b Fonds Risiken hat sich von rein wirtschaftlichen Risiken (Mietrausfall) hin zu steuerrechtlichen Risiken verschoben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für 6b-Investitionen sind dynamisch. Investoren müssen nicht nur den Markt, sondern auch die aktuelle Rechtsprechung im Blick behalten, um böse Überraschungen bei der Betriebsprüfung zu vermeiden.
Der „Formelle Bilanzenzusammenhang“ (BFH XI R 27/22)
Das Urteil des Bundesfinanzhofs vom Juli 2025 hat Schockwellen durch die Beraterschaft gesendet. Der BFH stellte klar: Eine Rücklage, die in der Vergangenheit fehlerhaft gebildet wurde, kann nicht einfach Jahre später „korrigiert“ werden. Es gilt der Grundsatz der Bilanzkontinuität.
Die Konsequenz: Wird ein Fehler bei einer Betriebsprüfung aufgedeckt, muss die Bilanz des Ursprungsjahres korrigiert werden. Dies löst eine Verzinsung der Steuerschuld von 6 % pro Jahr aus (§ 233a AO). Bei Entdeckung nach 5 Jahren erhöht sich die Steuerlast effektiv um 30 %.
Typische Fehler in der Praxis
- ⚠ Fehlende Investitionsabsicht: Rücklage wurde "auf Verdacht" gebildet, ohne konkrete Pläne (bei alten Rücklagen kritisch).
- ⚠ Falsche Rücklagenhöhe: Verwechselung von Buchgewinn und Liquiditätszufluss (Brutto/Netto).
- ⚠ Keine Ergänzungsbilanz: Der Fonds wurde gezeichnet, aber die steuerliche Übertragung wurde in der Fondsbilanz nicht technisch vollzogen.
- ⚠ Fristüberschreitung: Die Übertragung erfolgt erst nach Ablauf des 4. Wirtschaftsjahres (ohne Fristverlängerungs-Tatbestand).
So machen Sie es prüfungssicher (Unterlagen)
- ✅ Anschaffungskosten-Aufstellung: Detaillierter Nachweis der Fondsgesellschaft über Ihre Anteile.
- ✅ Feststellungsbescheid: Mitteilung über die gesonderte und einheitliche Feststellung (GuE).
- ✅ Buchungsbeleg: Ausdruck der gebuchten Ergänzungsbilanz.
- ✅ Fristen-Kontrollblatt: Dokumentation des genauen Datums der Reinvestition (Zeichnungsschein).
- ✅ Investitionsbeschluss: Schriftliche Dokumentation der Reinvestitionsabsicht im Jahr der Rücklagenbildung.
§ 15b EStG – Die Steuerfalle bei Verlusten
Viele Investoren übersehen § 15b EStG. Er klassifiziert 6b Fonds oft als „Steuerstundungsmodelle“.
- Die Regel: Verluste aus dem Fonds (z.B. Startphase) dürfen nicht mit anderen positiven Einkünften des Investors verrechnet werden.
- Die Auswirkung: Die Verluste sind „gefangen“. Investoren, die auf Steuerdrückung hoffen, werden enttäuscht.
Totalgewinnprognose
Damit das Konstrukt hält, muss der Fonds eine „Gewinnerzielungsabsicht“ nachweisen. Schreibt der Fonds über 15 Jahre nur rote Zahlen (z.B. Zinsen > Mietrendite), stuft das Finanzamt den Fonds als „Liebhaberei“ ein. Folge: Rückwirkende Aberkennung aller Verluste und der Rücklagenübertragung.
Der Exit: Ablauf und Optionen für Investoren von 6b Fonds
Ein Aspekt, der beim Kauf oft ausgeblendet wird, ist das Ende der Laufzeit. Da es sich um eine temporäre Steuerstundung handelt, wird der Fonds nach typischerweise 10 bis 30 Jahren liquidiert. Es besteht jedoch keine Garantie für einen punktgenauen Verkauf. Verzögert sich der Exit, kann die Beteiligung samt der latenten Steuerlast auf die nächste Generation übergehen – im schlimmsten Fall erben Kinder Anteile, die noch mit Schulden belastet sind.
1. Das reguläre Laufzeitende
Da die Anschaffungskosten durch die übertragenen Rücklagen extrem gemindert wurden (oft auf 0 Euro), entspricht der Verkaufserlös fast vollständig dem zu versteuernden Gewinn. Das Fondsmanagement verkauft die Immobilie bestmöglich am Markt, löst die Gesellschaft auf und schüttet das Kapital an Sie aus.
Beispiel: Sie erhalten 150.000 € aus dem Verkauf der Fondsimmobilie. Ihr steuerlicher Buchwert ist 0 €. Sie müssen 150.000 € versteuern.
2. Vorzeitiger Exit über den Zweitmarkt
Entgegen der landläufigen Meinung sind Sie als Investor nicht zwingend bis zum Laufzeitende gebunden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, einen Käufer für bestehende Anteile zu finden.
- Handelbarkeit: Anteile an 6b-Fonds können an andere Investoren am Zweitmarkt verkauft werden.
- Steuerliche Prüfung: Ein vorzeitiger Verkauf kann steuerliche Folgen auslösen; das sollte vorab steuerlich geprüft werden.
- Vorteil: Sie erhalten Liquidität zurück, falls sich Ihre unternehmerischen Pläne ändern.
Hinweis: Sollten Sie Interesse an einem vorzeitigen Verkauf haben, stehe auch ich als potenzieller Käufer für solche Beteiligungen zur Verfügung.
E-Mail: fonds@em-strategy.com
Checkliste für 6b Investoren: Die 10-Punkte Due Diligence
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist bei § 6b essenziell. Nutzen Sie diese erweiterte Checkliste, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine gründliche Prüfung vor der Zeichnung spart später viel Ärger und Geld. Gehen Sie nicht nur nach dem Hochglanz-Prospekt, sondern bohren Sie tiefer.
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Ist das Investitionsobjekt konkret benannt (kein Blind-Pool)? Konkrete Objekte sind steuerlich/dokumentarisch sauberer (Investitionsabsicht, Fristen).📍 Wo im Prospekt: „Investitionsobjekt“, „Investment Strategy“, Objektbeschreibung.
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Passt der Asset-Split (Grund & Boden vs. Gebäude) zu Ihrer Rücklage? Rücklagenherkunft und Ersatzwirtschaftsgut müssen kompatibel sein (Landwirte haben oft einen Boden-Engpass).📍 Wo im Prospekt: Kaufpreisaufteilung, Gutachten, „Asset Allocation“.
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Ist die Ergänzungsbilanz-Datenlieferung vertraglich zugesichert? Ohne belastbare Daten ist die 6b-Übertragung später kaum prüfungssicher gegenüber dem Finanzamt.📍 Wo im Prospekt: Zeichnungsschein/Servicevereinbarung, „Steuerliche Hinweise“.
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Gibt es ein belastbares steuerliches Gutachten (Tax Opinion)? Kein Ersatz für eine Betriebsprüfung, aber starkes Qualitäts-/Plausibilitätssignal.📍 Wo im Prospekt: Anhang bzw. Abschnitt „Steuerliche Grundlagen/Steuergutachten“.
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Ist die Leistungsbilanz des Initiators positiv? Ein erfahrener Manager mit erfolgreichen Vorgängerfonds ist ein Qualitätsmerkmal.📍 Wo im Prospekt: Leistungsbilanz (Track Record), Management-Team.
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Ist der Fremdkapitalanteil moderat und die Zinsbindung plausibel? Zu hoher Hebel erhöht Zins-/Refinanzierungs-Risiko und kann negativen Leverage erzeugen.📍 Wo im Prospekt: Finanzierungskonzept, Darlehensbedingungen, Sensitivitäten.
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Wie bonitätsstark sind Mieter und wie lang sind die Mietverträge? Stabile Cashflows stützen Gewinnerzielungsabsicht und reduzieren wirtschaftliche Risiken.📍 Wo im Prospekt: Mieterprofil, Mietvertragsspiegel, Standort-/Objektrisiken.
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Ist die Totalgewinnprognose konservativ und nachvollziehbar? Überoptimismus erhöht Liebhaberei-/Aberkennungsrisiko und führt zu Enttäuschungen.📍 Wo im Prospekt: Prognoserechnung, Annahmen, Sensitivitäten/Stress-Szenarien.
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Sind Exit-Strategie und Laufzeit sauber beschrieben? Am Ende kann hohe Steuer anfallen; ohne Plan droht Liquiditätsstress.📍 Wo im Prospekt: Laufzeit, Liquidation, Exit/Veräußerung, steuerliche Hinweise.
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Ist ein Zweitmarkt-Handel vorgesehen? Die Möglichkeit, Anteile vorzeitig zu veräußern, erhöht Ihre Flexibilität.📍 Wo im Prospekt: Übertragbarkeit, Zweitmarkt, Abtretung/Kündigung.
Wichtige Begriffe und Definitionen zu § 6b EStG
- Ergänzungsbilanz
- Eine steuerliche Nebenrechnung, die korrigierend zur Gesamthandsbilanz der Fondsgesellschaft geführt wird. Hier werden die individuellen Anschaffungskosten des Anlegers und die Übertragung der § 6b Rücklage abgebildet. Ohne sie ist eine steuerneutrale Übertragung technisch nicht möglich.
- Totalgewinnprognose
- Eine Berechnung, die nachweisen muss, dass der Fonds über seine gesamte Lebensdauer (von Gründung bis Liquidation) einen steuerlichen Totalgewinn erwirtschaftet. Dies ist die Voraussetzung, um den Vorwurf der „Liebhaberei“ abzuwehren.
- Gewinnaufschlag
- Sollte eine gebildete Rücklage nicht fristgerecht (innerhalb von 4 bzw. 6 Jahren) reinvestiert werden, muss sie aufgelöst und versteuert werden. Zusätzlich erhebt das Finanzamt einen Gewinnaufschlag von 6 % pro Jahr der bestehenden Rücklage (§ 6b Abs. 7 EStG), was faktisch einer Strafverzinsung entspricht.
- Mitunternehmeranteil
- Der Anleger ist bei einem 6b Fonds kein bloßer Geldgeber, sondern Mitunternehmer. Er trägt unternehmerisches Risiko. Dies ist Voraussetzung dafür, dass er steuerliche Privilegien nutzen kann.
Häufige Fragen zu § 6b Fonds (FAQ)
1) Was ist ein 6b-Fonds (§ 6b EStG) und für wen ist er gedacht?
2) Kann ich als Privatperson einen 6b-Fonds nutzen?
3) Welche Wirtschaftsgüter sind über § 6b EStG begünstigt?
4) Wie lange habe ich Zeit, die 6b-Rücklage zu reinvestieren?
5) Was ist die Ergänzungsbilanz und warum ist sie bei 6b-Fonds so wichtig?
6) Wie funktioniert der Hebel-Effekt bei 6b-Fonds (und was ist daran der Haken)?
7) Was passiert, wenn ich die 6b-Rücklage nicht rechtzeitig übertrage?
8) Welche Risiken ergeben sich aus BFH XI R 27/22 für Anleger?
9) Was bedeutet § 15b EStG für 6b-Fonds (Verlustverrechnung)?
10) Was ist die Totalgewinnprognose – und warum droht sonst „Liebhaberei“?
11) Welche Asset-Klassen sind für 6b-Fonds aktuell besonders geeignet?
12) Was passiert am Laufzeitende eines 6b-Fonds (Exit)?
13) Kann ich meinen 6b-Fonds Anteil vorzeitig verkaufen (Zweitmarkt)?
14) Wie hoch sind typische Kosten (Agio/Weichkosten) – und ab wann wird es kritisch?
15) Welche Unterlagen sollte ich für die Betriebsprüfung dokumentieren?
§6b Fonds Fazit
§ 6b Fonds bleiben auch im Jahr 2026 das wirkungsvollste Instrument, um Liquidität nach Unternehmensverkäufen zu sichern. Der Hebel-Effekt erlaubt es Unternehmern, Kapital im Betrieb zu halten, statt es an das Finanzamt abzuführen. Für Landwirte sind sie oft alternativlos, um die Diskrepanz zwischen Ackerland-Buchwerten und Bauland-Erlösen zu überbrücken.
Doch die Zeiten der „blinden“ Zeichnung sind vorbei. Das BFH-Urteil XI R 27/22 und die striktere Prüfung der Gewinnerzielungsabsicht erfordern eine professionelle Due Diligence. Der Fokus verlagert sich weg von reinen Büro-Investments hin zu robusten Asset-Klassen wie Nahversorgung und Wohnen/Pflege. Investoren sollten den 6b Fonds Kauf nicht als isoliertes Produkt, sondern als Baustein einer langfristigen Vermögensplanung sehen – inklusive einer klaren Exit-Strategie für das Laufzeitende.
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