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Was sind geschlossene Fonds? Ein kritischer Blick auf eine komplexe Anlageklasse

Die kurze Antwort

Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen an einer Personengesellschaft, die ein einzelnes Projekt finanziert – eine Immobilie, ein Schiff, einen Windpark. Anleger werden Mitgesellschafter, nicht Sparer. Anteile lassen sich nicht zurückgeben, das Kapital bleibt lange gebunden.

Viele deutsche Depots gleichen einem archäologischen Grabungsfeld: Neben modernen ETFs und Aktien finden sich dort oft noch „Altlasten“ aus den 90er und 2000er Jahren. Geschlossene Fonds, einst als steuersparendes Instrument und sicherer Hafen vertrieben, erweisen sich heute für viele Anleger als undurchsichtige, illiquide und kostenintensive Beteiligungen. Dieser Beitrag ordnet ein, worum es sich rechtlich handelt, warum die prospektierten Renditen häufig ausblieben und welche Wege aus einer solchen Beteiligung führen.

Überblick: Geschlossene Fonds

Kein Sparbuch-Ersatz Sie sind rechtlich kein einfacher Anleger, sondern Mitunternehmer mit vollem Risiko bis hin zum Totalverlust.

Extreme Illiquidität Ihr Kapital ist oft auf Jahrzehnte fest gebunden; eine reguläre Kündigung ist meist vertraglich ausgeschlossen.

Drohende Haftung Unter bestimmten Umständen (§ 172 HGB) müssen Sie bereits erhaltene Ausschüttungen wieder zurückzahlen.

Der Ausweg Der Verkauf am Zweitmarkt ist oft die einzige valide Option für einen vorzeitigen Exit, um Liquidität zu schaffen.

Einleitung: Geschlossene Fonds als Erbe in deutschen Depots

Die Geschichte des geschlossenen Fonds in Deutschland ist einzigartig und eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte verknüpft. Über vier Jahrzehnte hinweg fungierte dieses Instrument als zentraler Motor, um privates Geld in nationale und internationale Großprojekte zu lenken. Ob Containerschiffe, die den Welthandel antrieben, Windparks oder Bürokomplexe in Großstädten – finanziert wurde dies oft von Zahnärzten, Ingenieuren und Rentnern über sogenannte Kommanditbeteiligungen.

Doch was damals oft beim Bankberater als „sichere Rente“ oder als ideale Ergänzung zur Altersvorsorge verkauft wurde, entpuppte sich spätestens mit der Finanzkrise 2008 als hochkomplexes Risikopapier. Heute ist der Markt zwar durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) und die AIFM-Richtlinie der EU streng reguliert – man spricht nun offiziell von „geschlossenen AIFs“ (Alternative Investmentfonds) –, doch die meisten Privatanleger halten noch die älteren Produkte des damals kaum regulierten „Grauen Kapitalmarktes“. Welche Fälle diese Phase geprägt haben, zeigt der Beitrag über die größten Skandale und Betrugsfälle bei geschlossenen Fonds.

Geschlossene Fonds als Altbestand im Depot deutscher Anleger
Geschlossene Fonds aus den 1990er und 2000er Jahren liegen bis heute als Schiffs- und Immobilienbeteiligungen in vielen Depots.

Wer heute noch solche Anteile besitzt, sieht sich oft mit sinkenden oder komplett ausbleibenden Ausschüttungen, ständigen Gesellschafterbeschlüssen und einer quälenden Ungewissheit über den wahren Wert seiner Anlage konfrontiert. Weitere Informationen zur Entwicklung geschlossener Publikumsfonds finden Sie bei der BaFin.

Wie funktionieren geschlossene Fonds? Das Prinzip erklärt

Ein geschlossener Fonds sammelt Eigenkapital für ein konkretes Projekt ein und wird geschlossen, sobald die benötigte Summe erreicht ist. Ab diesem Zeitpunkt kommt kein neues Kapital hinzu, und kein Anleger kann seines mehr abziehen. Die Anleger sind Gesellschafter einer eigens gegründeten Objektgesellschaft, meist einer GmbH & Co. KG.

Um zu verstehen, warum diese Anlagen so unflexibel sind und warum man nicht einfach „aussteigen“ kann, muss man ihre grundlegende Konstruktion begreifen. Ein geschlossener Fonds ist rechtlich gesehen keine „Anlage“ wie eine Aktie oder eine Anleihe, sondern eine unternehmerische Beteiligung.

Die Struktur geschlossener Fonds als unternehmerische Beteiligung

Ein Initiator plant ein Projekt, beispielsweise den Bau eines Einkaufszentrums. Für dieses spezifische Projekt wird eine eigene Gesellschaft gegründet, in Deutschland meist eine GmbH & Co. KG. Anleger zahlen Geld in diese Gesellschaft ein. Sobald die für das Projekt benötigte Summe erreicht ist, wird der Fonds „geschlossen“.

Ab diesem Zeitpunkt gelten strikte Regeln:

  • Es fließt kein neues Eigenkapital mehr in die Gesellschaft.
  • Es kann aber auch kein Anleger sein Kapital mehr abziehen.
  • Ihr finanzielles Wohl und Wehe hängt am wirtschaftlichen Erfolg dieses einen Objekts (klassisches Klumpenrisiko).

Viele Anleger realisieren erst Jahre später, dass sie durch ihre Unterschrift faktisch zu Mitunternehmern geworden sind – mit allen Pflichten, aber oft ohne echten Einfluss auf die operative Geschäftsführung. Welche Risiken sich aus dieser Konstruktion im Einzelnen ergeben, ist im Beitrag Risiken geschlossener Immobilienfonds aufgeschlüsselt.

Was ist der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fonds?

Eines der größten Missverständnisse ist die sprachliche Nähe zu „Investmentfonds“. Doch während Sie bei einem offenen Aktienfonds (OGAW) täglich an Ihr Geld kommen, sitzen Sie bei einem geschlossenen Fonds in einem Boot, das den Hafen verlassen hat und oft erst in 20 Jahren zurückkehrt. Besonders tückisch: Bei offenen Fonds ist Ihr Geld „Sondervermögen“ und im Pleitefall der Bank oder Investmentgesellschaft geschützt. Bei geschlossenen Fonds ist Ihr Geld das Eigenkapital der Firma. Geht die Firma (der Fonds) pleite, ist das Geld im schlimmsten Fall weg.

Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Unterschiede gegenüber; eine ausführliche Gegenüberstellung beider Konstruktionen enthält der Beitrag Offene vs. geschlossene Fonds im Vergleich.

Merkmal Offene Fonds (z.B. Aktienfonds/ETF) Geschlossene Fonds (KG-Beteiligung)
Verfügbarkeit Täglich veräußerbar (Rückgabe an KVG) Illiquide (Kapital fest gebunden)
Laufzeit Unbegrenzt Begrenzt (oft 10–25 Jahre)
Risikostreuung Breit (viele Werte, „Sondervermögen“) Eng (oft nur ein Objekt = Totalverlustrisiko)
Rechtsstellung Anleger (Gläubigerähnlich) Mitunternehmer (Kommanditist)
Haftung Keine Nachschusspflicht Wiederaufleben der Haftung möglich (§ 172 HGB)

Welche Assetklassen gibt es und wie haben sie abgeschnitten?

Geschlossene Fonds wurden vor allem für Immobilien, Schiffe, erneuerbare Energien und Medienproduktionen aufgelegt. Eine Auswertung von 1.139 Fonds durch Finanztest ergab, dass 69 % der bereits aufgelösten Fonds ihren Anlegern einen Kapitalverlust brachten; nur 6 % erreichten ihre Prognose. Wie hoch der Anteil ausfiel, hing stark von der Assetklasse ab.

Geschlossene Fonds nach Assetklasse: Anteil der aufgelösten Fonds mit Kapitalverlust
Assetklasse Typische Objekte Anteil mit Kapitalverlust Hauptproblem
Immobilienfonds Büro-, Handels-, Hotel- und Pflegeimmobilien im In- und Ausland 57 % Überteuerte Einkaufspreise, wertlose Mietgarantien, Sanierungsstau und Strukturwandel bei Büro und Handel
Umwelt- und Energiefonds Wind- und Solarparks, Biogasanlagen 62 % Zu optimistische Ertragsprognosen, gekürzte Einspeisevergütungen, Insolvenzen von Betreibern
Schiffsfonds Container- und Massengutschiffe 81 % Überkapazitäten und eingebrochene Charterraten nach 2008; häufig Rückforderung erhaltener Ausschüttungen
Medienfonds Film- und Fernsehproduktionen 96 % Konstruktion vorrangig auf Verlustzuweisung ausgelegt; entfiel der steuerliche Effekt, blieb wenig Substanz
Auswertung von 1.139 geschlossenen Fonds durch Stiftung Warentest (Finanztest, 2015); Anteil bezogen auf die bereits aufgelösten Fonds der jeweiligen Assetklasse. Über alle Assetklassen erreichten 6 % der Fonds ihre Prognose, 69 % endeten für die Anleger mit einem Kapitalverlust.

Steuern sparen mit geschlossenen Fonds: Die Motivation von damals

Warum haben so viele Deutsche überhaupt in diese starren Konstrukte investiert? Die Antwort liegt in der Steuersystematik der damaligen Zeit. In den 70er, 80er und 90er Jahren waren die Steuersätze in Deutschland extrem hoch (Spitzensteuersatz bis zu 56%). Geschlossene Fonds boten die Möglichkeit, Verluste aus der Anfangsphase der Investition mit dem persönlichen Einkommen zu verrechnen und so die Steuerlast massiv zu drücken.

Was hat der „Aufbau Ost“ mit heutigen Verlusten zu tun?

Besonders nach der Wiedervereinigung flossen Milliarden in den Osten Deutschlands. Über die Sonderabschreibungen nach dem Fördergebietsgesetz ließ sich ein erheblicher Teil der Investitionssumme unmittelbar steuerlich geltend machen. Das Ergebnis dieser Lenkungswirkung war, dass vielerorts nicht nach wirtschaftlichem Bedarf gebaut wurde, sondern nach steuerlicher Optimierung.

Immobilien wurden damals massiv überteuert eingekauft, Mietgarantien waren oft wertlos, weil die Garanten selbst insolvent gingen, und die „Rendite“ bestand oft einzig und allein aus der Steuererstattung. Als der Gesetzgeber mit § 15b EStG im Jahr 2005 die Verlustzuweisungsmodelle beendete, brach das Kartenhaus für Neuemissionen zusammen. Was heute im Depot liegt, ist oft der Rest dieser Ära: eine Immobilie in B-Lage mit hohem Sanierungsstau und ohne steuerlichen Nutzen. Wie sich die Besteuerung über den gesamten Lebenszyklus einer Beteiligung darstellt, fasst der Beitrag Besteuerung geschlossener Fonds zusammen.

Haftung bei geschlossenen Fonds: Welche Risiken drohen nach § 172 HGB?

Die Haftung eines Kommanditisten ist grundsätzlich auf seine Einlage begrenzt. Wurden jedoch Ausschüttungen gezahlt, die nicht durch Gewinne gedeckt waren, lebt die Haftung in dieser Höhe wieder auf und die Beträge können im Insolvenzfall zurückgefordert werden.

Viele Anleger wiegen sich in falscher Sicherheit und glauben, ihre Haftung sei strikt auf die Einlagesumme beschränkt. Das ist im Prinzip für den Kommanditisten richtig, aber es gibt eine gefährliche Ausnahme im Handelsgesetzbuch (HGB), die vielen Anlegern Jahre später schlaflose Nächte bereitet.

Haftung geschlossene Fonds nach § 172 HGB – Rückforderung von Ausschüttungen
Wiederaufleben der Kommanditistenhaftung nach § 172 Abs. 4 HGB: Ausschüttungen aus der Substanz können im Insolvenzfall zurückgefordert werden.

Wann fordert der Insolvenzverwalter Geld zurück?

Wenn Ihr Fonds in den vermeintlich guten Jahren Ausschüttungen an Sie gezahlt hat, obwohl operativ gar kein echter Gewinn erwirtschaftet wurde (sogenannte „Liquiditätsausschüttungen“ aus der Substanz), gilt dies rechtlich als Rückzahlung Ihrer Einlage. Im Falle einer späteren Insolvenz greift § 172 Abs. 4 HGB: Die Haftung lebt in Höhe dieser erhaltenen Ausschüttungen wieder auf.

Das bedeutet konkret: Jahre später kann Post vom Insolvenzverwalter kommen, der die erhaltenen Ausschüttungen zurückfordert, um die Gläubiger des Fonds zu befriedigen. Rechtsgrundlage ist nicht der Gesellschaftsvertrag, sondern die Außenhaftung gegenüber den Gläubigern: Nach § 171 Abs. 2 HGB macht der Insolvenzverwalter diese Ansprüche im Insolvenzverfahren gebündelt geltend, begrenzt auf die Höhe der im Handelsregister eingetragenen Hafteinlage. Betroffen waren in der Vergangenheit vor allem Anleger von Schiffs- und Medienfonds.

Laufzeit geschlossener Fonds: Warum komme ich nicht an mein Geld?

Die wohl frustrierendste Eigenschaft für Bestandsanleger ist die fehlende Flexibilität. Geschlossene Fonds wurden für die Ewigkeit konzipiert – oder zumindest für Zeiträume, die weit jenseits der Lebensplanung vieler Anleger liegen.

  • Kein Kündigungsrecht: Eine ordentliche Kündigung ist während der festgelegten Laufzeit in der Regel vertraglich ausgeschlossen; welche Rechte und Fristen im Einzelfall gelten, behandelt der Beitrag Geschlossene Immobilienfonds kündigen.
  • Problem Erbfall: Oft werden diese Anteile vererbt. Die Erben werden selbst Gesellschafter, müssen Steuererklärungen abgeben und tragen dieselben Haftungsrisiken; die Handlungsoptionen im Todesfall behandelt der Beitrag Erbschaft von geschlossenen Immobilienfonds.
  • Zombie-Fonds: Viele Fonds befinden sich in einer Art Wachkoma. Sie werden künstlich am Leben erhalten, weil eine Liquidation sofortige Verluste realisieren würde. Sie werfen keine Erträge mehr ab, aber die Verwaltungskosten fressen langsam die Restsubstanz auf.

Wie stark die Bindung wirkt, zeigt der Vergleich: Schon bei offenen Immobilienfonds, die als deutlich liquider gelten, weist die Verbraucherzentrale auf eine Mindesthaltefrist von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten hin. Bei geschlossenen Fonds fehlt eine Rückgabemöglichkeit vollständig.

Geschlossene Fonds verkaufen: Welche Handlungsoptionen habe ich?

Da eine Rückgabe an die Fondsgesellschaft vertraglich ausgeschlossen ist, bleiben im Wesentlichen zwei Wege: bis zur Liquidation warten oder die Beteiligung am Zweitmarkt an einen spezialisierten Käufer übertragen. Eine ordentliche Kündigung ist nur möglich, wenn der Gesellschaftsvertrag sie ausdrücklich vorsieht.

Wenn Sie feststellen, dass Ihr geschlossener Fonds mehr Ärger als Freude bereitet, stehen Sie vor einem strukturellen Problem: Sie können die Anteile nicht einfach an die Fondsgesellschaft zurückgeben. Doch es gibt einen Ausweg, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.

Warum ist der Zweitmarkt oft die einzige Lösung?

Da die Börse als Handelsplatz ausfällt, hat sich ein spezialisierter Zweitmarkt für geschlossene Fonds etabliert. Hier können Anteile an professionelle Aufkäufer oder andere Investoren abgetreten werden. Die Vorteile eines solchen Verkaufs liegen auf der Hand:

  1. Sofortige Liquidität: Sie erhalten einen vereinbarten Kaufpreis sofort, statt auf ungewisse Abschlusszahlungen in ferner Zukunft zu warten.
  2. Haftungsfreistellung: Bei einem professionellen Verkauf übernimmt der Käufer in der Regel das Risiko für zukünftige Rückforderungen (Haftungsfreistellung im Innenverhältnis).
  3. Bürokratie-Ende: Keine Einladungen zu Gesellschafterversammlungen mehr, keine gesonderten Steuererklärungen für gewerbliche Einkünfte.
  4. Steuerliche Klarheit: Sie können einen Schlussstrich ziehen und Verluste gegebenenfalls steuerlich realisieren, um sie mit Gewinnen aus anderen Gewerbebetrieben zu verrechnen.
Geschlossene Fonds am Zweitmarkt verkaufen – Übertragung der Beteiligung
Zweitmarkt für geschlossene Fonds: Die Beteiligung wird per Kaufvertrag an einen spezialisierten Käufer übertragen.

Der Kaufpreis wird dabei individuell ermittelt: aus dem Wert der Fondsobjekte zuzüglich der Liquidität und abzüglich der Verbindlichkeiten, angepasst um Restlaufzeit und Risikoprofil. Er steht vor Vertragsabschluss fest und wird in einer Summe ausgezahlt. Dem gegenüber steht bei einem Verbleib in der Beteiligung eine Schlussauszahlung, deren Höhe und Zeitpunkt offen sind. Wie der Verkaufsprozess abläuft, welche Unterlagen nötig sind und wie lange die Abwicklung dauert, beschreibt der Beitrag Geschlossene Fonds verkaufen: Ihr Wegweiser für den Zweitmarkt.

Häufige Fragen zu geschlossenen Fonds (FAQ)

Was sind geschlossene Fonds einfach erklärt?

Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen. Anleger investieren in ein konkretes Projekt, etwa ein Schiff oder eine Immobilie. Das Kapital ist langfristig gebunden und der Anleger trägt das unternehmerische Risiko bis hin zum Totalverlust.

Was ist der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fonds?

Offene Fonds sind jederzeit handelbar und das Geld ist als Sondervermögen geschützt. Geschlossene Fonds sind illiquide, haben feste Laufzeiten von oft Jahrzehnten und bieten kein tägliches Rückgaberecht. Zudem ist der Anleger meist Kommanditist und damit Mitgesellschafter.

Welche Risiken bestehen bei der Haftung nach § 172 HGB?

Wurden Ausschüttungen gezahlt, ohne dass entsprechende Gewinne erwirtschaftet wurden, gelten sie als Rückzahlung der Einlage. Die Haftung lebt in dieser Höhe wieder auf, und der Insolvenzverwalter kann die Beträge bis zur Höhe der eingetragenen Hafteinlage zurückfordern.

Was ist ein geschlossener AIF?

Seit dem Kapitalanlagegesetzbuch von 2013 heißen neu aufgelegte geschlossene Fonds geschlossene Alternative Investmentfonds. Sie unterliegen der Aufsicht der BaFin, benötigen eine Kapitalverwaltungsgesellschaft und eine Verwahrstelle. Für Altbestände aus der Zeit davor gelten diese Anforderungen nicht.

Kann ich einen geschlossenen Fonds kündigen?

Nur wenn der Gesellschaftsvertrag ein Kündigungsrecht vorsieht, und in der Regel erst zum Ende der festen Laufzeit unter Einhaltung einer Frist. Der Anleger erhält dann ein Abfindungsguthaben nach den Regeln des Gesellschaftsvertrags, das häufig unter dem am Zweitmarkt erzielbaren Preis liegt.

Was passiert, wenn der Fonds insolvent wird?

Das eingezahlte Eigenkapital ist im Insolvenzfall in der Regel verloren, da es Haftkapital der Gesellschaft ist und kein geschütztes Sondervermögen. Zusätzlich kann der Insolvenzverwalter erhaltene Ausschüttungen zurückfordern, soweit sie nicht durch Gewinne gedeckt waren.

Woran erkenne ich, wie es um meine Beteiligung steht?

Aufschluss geben der jährliche Geschäftsbericht der Fondsgesellschaft, die Einladungen und Beschlüsse der Gesellschafterversammlungen sowie der Feststellungsbescheid, also die Mitteilung über die gesonderte und einheitliche Feststellung der Einkünfte. Aus ihm ergibt sich auch, in welcher Höhe die Beteiligung noch besteht.

Wie verkaufe ich einen geschlossenen Fonds?

Über den Zweitmarkt, per schriftlichem Kaufvertrag zwischen Verkäufer und Käufer. Die Fondsgesellschaft oder der Treuhänder muss der Übertragung zustimmen und schreibt die Beteiligung anschließend um. Für ein Kaufangebot reichen in der Regel Fondsname und Nominalbetrag; die Abwicklung dauert üblicherweise vier bis acht Wochen.

Glossar: Fachbegriffe rund um geschlossene Fonds

Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB)
Seit 2013 geltendes Regelwerk, das die europäische AIFM-Richtlinie umsetzt. Es unterstellt neu aufgelegte geschlossene Fonds der Aufsicht der BaFin und verlangt eine Kapitalverwaltungsgesellschaft sowie eine Verwahrstelle. Für Fonds, die vorher aufgelegt wurden, gilt es nicht rückwirkend.
Alternativer Investmentfonds (AIF)
Sammelbegriff des KAGB für alle Investmentvermögen, die keine OGAW sind. Geschlossene Fonds firmieren seit 2013 als geschlossene AIF. Die Bezeichnung sagt nichts über das Risiko der Anlage aus, sondern nur über die aufsichtsrechtliche Einordnung.
Sondervermögen
Bei offenen Fonds ist das Anlegerkapital rechtlich vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft getrennt und im Insolvenzfall geschützt. Bei geschlossenen Fonds gibt es kein Sondervermögen: Das eingezahlte Kapital ist Eigenkapital der Fondsgesellschaft und haftet für deren Verbindlichkeiten.
Liquiditätsausschüttung
Auszahlung an die Anleger, die nicht aus erwirtschafteten Gewinnen stammt, sondern aus der Liquidität der Gesellschaft. Sie gilt rechtlich als Rückzahlung der Einlage und ist der Grund, weshalb die Kommanditistenhaftung später wieder aufleben kann.
Initiator (Emissionshaus)
Anbieter, der den Fonds konzipiert, das Objekt einkauft, den Verkaufsprospekt erstellt und die Anteile über Vertriebspartner platziert. Er stellt häufig auch die Geschäftsführung und erhält laufende Verwaltungsvergütungen, was zu Interessenkonflikten führen kann.
Mitunternehmerschaft
Steuerliche Einordnung der Gesellschafter einer gewerblichen Personengesellschaft. Sie erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die einheitlich für die Gesellschaft festgestellt und den Gesellschaftern anteilig zugerechnet werden. Daraus folgt die jährliche Erklärungspflicht für jeden Anleger.
Fördergebietsgesetz
Nach der Wiedervereinigung geschaffene Regelung, die für Investitionen in den neuen Bundesländern erhöhte Sonderabschreibungen zuließ. Sie machte Beteiligungen vor allem wegen der sofortigen Steuerwirkung attraktiv und begünstigte Bauvorhaben ohne tragfähigen wirtschaftlichen Bedarf.
Zombie-Fonds
Fonds, dessen ursprüngliche Laufzeit abgelaufen ist, der aber nicht liquidiert wird. Ausschüttungen bleiben aus, während die Verwaltungskosten weiterlaufen. Ursache sind meist fehlende Mehrheiten für einen Verkaufsbeschluss oder fehlende Anreize der Geschäftsführung.

Fazit zu geschlossene Fonds: Ein Relikt mit Risiken

Der geschlossene Fonds alter Prägung war ein Produkt seiner Zeit, getrieben von steuerlichen Anreizen und einem oft blinden Glauben an stetiges Wachstum. Heute sind diese Beteiligungen für viele Anleger vor allem eines: ein administratives Ärgernis mit unkalkulierbaren Haftungsrisiken. Die Transformation zum regulierten AIF hat den Markt für Neuanlagen zwar sicherer gemacht, hilft den Inhabern von Alt-Anteilen jedoch kaum.

Damit stehen Inhaber solcher Anteile vor einer Abwägung: die Beteiligung bis zur Liquidation halten und deren Zeitpunkt wie Ergebnis der Fondsgeschäftsführung überlassen, oder sie am Zweitmarkt zu einem feststehenden Preis und einem selbst gewählten Zeitpunkt abgeben. Mit dem Verkauf enden zugleich die Verwaltungspflichten und das Rückforderungsrisiko nach § 172 Abs. 4 HGB, das andernfalls bis zur vollständigen Abwicklung des Fonds bestehen bleibt.

Geschlossene Fonds am Zweitmarkt verkaufen

Sie besitzen Anteile an einem geschlossenen Fonds und erwägen einen Verkauf? Senden Sie mir einfach den Fondsnamen und den Nominalbetrag. Ich prüfe umgehend und unverbindlich, ob ein Ankauf aktuell möglich ist.

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Eduard Meider – Investor für geschlossene Fonds am Zweitmarkt

Über den Autor

Eduard Meider

Investor und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf den Zweitmarkt für geschlossene Fonds/AIFs, insbesondere in den Assetklassen Immobilien und Schiffe.

Nach seinem Studium zum Master of Science in Internationaler Finanzwirtschaft an der HWR Berlin blickt er auf über 10 Jahre berufliche Investmenterfahrung zurück, unter anderem als Investment- und Fondsmanager für ein Family Office und dessen Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf geschlossene Immobilienfonds. Zuvor durchlief er Stationen in der Wirtschaftsprüfung bei PwC und im Venture Capital bei der KLINGEL-Gruppe.

Zudem ist er Autor international erschienener Fachbücher, unter anderem „Decentralized Finance für Einsteiger“ sowie „Financial Innovation and Value Creation“ bei Springer.

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