Geschlossene Fonds verkaufen: Ihr Wegweiser für den Zweitmarkt
Die Landschaft der privaten Kapitalanlage in Deutschland ist durch eine Besonderheit geprägt: die geschlossene Fondsbeteiligung. Über Jahrzehnte hinweg galt sie als das bevorzugte Vehikel für Anleger, um in greifbare Sachwerte wie Immobilien, Schiffe oder regenerative Energien zu investieren. Doch das fundamentale Konstruktionsmerkmal dieser Anlageklasse – die langfristige unternehmerische Bindung des Kapitals oft über 20 bis 30 Jahre – hat sich in einer volatilen Weltwirtschaft für viele von einem Stabilitätsanker zu einer Fessel entwickelt. Unzufriedenheit über die Performance oder ein geänderter Lebensplan führen dazu, dass zahlreiche Investoren einen Ausweg suchen. Die gute Nachricht: Es gibt einen Ausweg über den sogenannten Zweitmarkt geschlossene Fonds.
Weiteres zur Definition von geschlossenen Fonds finden Sie in den Artikeln: Was sind geschlossene Fonds? und Was sind geschlossene Immobilienfonds?
Überblick: Zweitmarkt geschlossene Fonds
RÜCKGABE Eine Rückgabe der Anteile an die Fondsgesellschaft ist vertraglich meist ausgeschlossen; der Weg führt fast ausschließlich über den Zweitmarkt.
MARKTPLATZ Der Handel findet häufig "Off-Market" statt, da vorhandene Börsenplätze teils illiquide sind und hohe Gebührenstrukturen aufweisen.
PREISBILDUNG Kurse basieren auf einer komplexen Berechnung aus Net Asset Value (NAV), Restdarlehen und Risikoparametern.
STEUERN Beachten Sie steuerliche Aspekte wie Spekulationsfristen und Verlustverrechnung (§ 15a EStG) – oft bieten sich hier auch Möglichkeiten zur Optimierung.
Inhaltsverzeichnis
Warum geschlossene Fonds verkaufen? (Gründe)
Die Motivation, eine ursprünglich auf Jahrzehnte ausgelegte unternehmerische Beteiligung vorzeitig zu veräußern, ist vielschichtig. In der aktuellen Marktlage kristallisieren sich vier Haupttreiber heraus.
Liquiditätsbedarf
Der klassische Verkaufsgrund ist die Diskrepanz zwischen der starren Kapitalbindung des Fonds und der dynamischen Lebensplanung des Anlegers. Unvorhergesehene Ereignisse – wie Scheidung, Immobilienkauf oder der Eintritt in den Ruhestand – erfordern oft schnellen Zugriff auf Vermögenswerte. Da eine Rückgabe an die Fondsgesellschaft rechtlich nicht durchsetzbar ist, fungiert der Verkauf als Zugang zu Liquidität.
Schlechte Performance und Risikobegrenzung
Viele Fonds konnten ihre Prospektversprechen nicht einhalten. Klassische geschlossene Fonds zählen oft zum sogenannten "Grauen Kapitalmarkt" und waren lange Zeit wenig reguliert, was zu Intransparenz führte. Ein Grundproblem liegt oft schon in der Struktur: Bereits bei der Emission entstanden hohe Verluste durch "Weichkosten" (z.B. Vertriebsprovisionen und Finanzierungskosten). Zwar boten diese anfangs oft Steuervorteile, führten jedoch dazu, dass nur ein Teil des Geldes tatsächlich in das Asset floss, was einen sofortigen Wertverlust des Anteils zur Folge hatte.
- Schiffsfonds: Nach langen Krisenjahren notieren viele Beteiligungen weit unter Einstandswert. Anleger verkaufen, um zu retten, was noch zu retten ist.
- Immobilienfonds: Auch hier führen Sanierungsstaus oder Leerstände teils zu Ausschüttungsstopps. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte, dass in der Vergangenheit 57 % der geprüften Immobilienfonds Verluste verursachten. Der Verkauf dient hier der Risikominimierung, bevor weitere Verluste entstehen.
Weiteres zum Thema Risiken von geschlossenen Fonds finden Sie im Artikel über Risiken geschlossener Immobilienfonds.
Erbschaft
Ein zunehmend relevanter Faktor ist der Generationenübergang. Erben finden sich oft ungewollt in der Rolle des Kommanditisten wieder und unterschätzen, dass es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt, die Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Da geschlossene Fonds schwer teilbar sind, führen sie in Erbengemeinschaften zu Konflikten. Zudem sind Umschreibung und Verwaltung oft mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Der Verkauf ist oft der einzige Weg zur sauberen Erbauseinandersetzung.
Weiteres zum Thema Erbschaft von geschlossenen Fonds finden Sie unter Erbschaft geschlossene Immobilienfonds.
Steuerliche Optimierung
Strategische Anleger nutzen den Verkauf zum sogenannten "Tax Loss Harvesting". Dabei werden verlustreiche Fonds verkauft, um steuerliche Verluste zu realisieren. Besonders sinnvoll kann ein Verkauf auch im hohen Alter sein, wenn der persönliche Steuersatz niedriger ist als während der Erwerbsphase. Zudem gewährt der Gesetzgeber unter bestimmten Voraussetzungen Freibeträge für Veräußerungsgewinne (z.B. nach § 16 Abs. 4 EStG), die die Steuerlast signifikant senken können.
Wie funktioniert der Zweitmarkt für geschlossene Fonds?
Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds ist ein absoluter Nischenmarkt. Im Gegensatz zu hochliquiden Aktienbörsen beschäftigen sich in Deutschland nur sehr wenige spezialisierte Investoren mit diesem Thema, da die Bewertung und Abwicklung komplex und aufwendig sind.
Unterschied zur normalen Börse
Während bei einer Aktie Millionen identischer Stücke im Sekundentakt gehandelt werden, ist jeder Fondsanteil individuell an einen Gesellschaftsvertrag und spezifische Risiken gebunden. Es gibt kein zentrales Clearing. Der Handel ist dokumentenintensiv und deutlich langsamer als der Wertpapierhandel. Wichtig: Arbeiten Sie jedoch mit einem professionellen Käufer zusammen, übernimmt dieser den Großteil der administrativen Arbeit für Sie. Für den Verkäufer reduziert sich der Aufwand dann oft auf eine einzige Unterschrift.
Die Akteure: Off-Market vs. Börse
Ein Großteil des Handels findet heute "Off-Market" statt, also im direkten außerbörslichen Bereich. Zwar existieren Handelsplattformen, diese verfügen teils jedoch über weniger Liquidität als der direkte Markt.
Ein wesentlicher Grund für die Verlagerung in den Off-Market-Bereich sind die hohen Kosten der Börsenplätze, die häufig bei über 6 % des Kaufpreises liegen. Hinzu kommen weitere Transaktionsgebühren, die von den Fondsgesellschaften für die Umschreibung erhoben werden. Professionelle Aufkäufer agieren daher oft direkt, um diese Kostenblöcke zu minimieren und effizientere Transaktionen zu ermöglichen.
Preisfindung: Substanzwert und Risikoanalyse
Es gibt keinen "laufenden Kurs", der den Preis diktiert. Professionelle Käufer ermitteln den Wert einer Beteiligung durch eine Mischung aus NAV-Analyse (Net Asset Value) und Ertragswertverfahren.
Basis-Kalkulation (NAV)
- Bewertung des Assets: Was ist die Immobilie oder das Schiff heute real wert?
- Abzug Verbindlichkeiten: Wie hoch sind die Restdarlehen der Fondsgesellschaft?
- Liquiditätsprüfung: Wie viel Cash liegt in der Kasse?
Risiko-Abschläge & Faktoren
- Künftige steuerliche Zahlungen, die die Rendite schmälern.
- Erwartete Ausschüttungen.
- Instandhaltungsstau am Objekt.
- Die Qualität des Fondsmanagements.
- Die verbleibende Laufzeit und die Sicherheit des Assets.
Der Kaufpreis ist also das Ergebnis einer sorgfältigen kaufmännischen Due Diligence.
Schritt-für-Schritt Anleitung zum Verkauf am Zweitmarkt
Der Verkaufsprozess erfolgt auch heute noch oft "altmodisch" in Papierform, da für die Übertragung von KG-Anteilen schriftliche Kaufverträge notwendig sind. Um Verzögerungen zu vermeiden, ist eine genaue Vorgehensweise ratsam.
Unterlagen sichten
Zunächst muss geprüft werden, ob die Beteiligung überhaupt noch existiert. Wurde sie bereits gekündigt, verkauft oder liegt eine Verpfändung an eine Bank vor? In welcher Höhe besteht die Beteiligung aktuell? Insbesondere Erben werden darüber oft nicht automatisch informiert. Zudem müssen die Besitzverhältnisse geklärt sein: Wer ist rechtmäßiger Erbe und wer ist unterschriftsberechtigt? Ein Blick in den letzten Steuerbescheid des Fonds hilft oft weiter.
Käufer kontaktieren
Anleger wenden sich idealerweise an spezialisierte Ankäufer im Off-Market-Bereich. Tipp: Sie können sich für eine unverbindliche Prüfung direkt an mich wenden: fonds@em-strategy.com.
Bewertung und Preisangebot
Der potenzielle Käufer prüft die Unterlagen und den NAV des Fonds. In einigen Fällen fordert der Käufer noch Dokumente wie den aktuellen Geschäftsbericht oder den Gesellschaftsvertrag an, falls diese nicht vorliegen – professionelle Investoren haben diese Daten jedoch meist bereits in ihren Datenbanken. Basierend auf dieser Analyse erhalten Sie ein Kaufangebot.
Einigung und Vertragsgestaltung
Der potenzielle Käufer übermittelt das Kaufangebot und die Bedingungen. Er prüft im Zweifel vorab mit seinem Steuerberater, ob sich der Ankauf lohnt. Ihr Vorteil: Wenn Sie an mich verkaufen, übernehme ich in der Regel auch die zukünftige Haftung sowie die Transaktionsgebühren.
Abwicklung & Umschreibung
Branchenüblich sendet der Käufer dem Verkäufer einen Kaufvertrag zu. Beide Parteien unterschreiben. Der Käufer leitet dann eine Version des Vertrages an die Fondsverwaltung weiter und beauftragt die Anteilsübertragung. Nach Unterzeichnung muss in der Regel der Fondsverwalter dem Verkauf zustimmen (Vinkulierung).
Auszahlung
Nachdem der Fondsverwalter der Übertragung zugestimmt hat, wird der Kaufpreis auf das Konto des Verkäufers überwiesen. Damit ist der Prozess für Sie erfolgreich abgeschlossen.
Mit welchen Kosten und Abschlägen muss ich am Zweitmarkt rechnen?
Transparenz ist essenziell, da die Kostenlast traditionell fast vollständig beim Verkäufer liegt.
Preiszusammensetzung
Schematische Darstellung. Die tatsächliche Höhe variiert je nach Fondsart.-
Börsen- und Maklergebühren:
Wer über öffentliche Zweitmarktbörsen handelt, sieht sich oft mit hohen Provisionen konfrontiert. Diese liegen häufig bei über 5 bis 10 % des Kaufpreises, oft gekoppelt an eine Mindestgebühr (Minimum Fee). Das macht den Verkauf kleinerer Beteiligungen (z.B. unter 10.000 € Nominalwert) über diese Kanäle oft unwirtschaftlich. Im direkten Off-Market-Handel mit spezialisierten Aufkäufern entfallen diese Vermittlungsprovisionen in der Regel komplett. -
Bearbeitungs- und Umschreibungsgebühren:
Dies ist ein oft unterschätzter Kostenblock. Die Treuhandgesellschaften oder Fondsverwalter lassen sich den bürokratischen Aufwand der Eigentümerumschreibung (Änderung im Kommanditregister) vergüten. Diese Gebühren sind meist pauschal (oft zwischen 150 € und 500 € pro Übertragung) und fallen unabhängig vom Verkaufspreis an. Bei geringen Verkaufserlösen können diese Fixkosten die Rendite stark schmälern. Tipp: Achten Sie darauf, ob der Käufer diese Kosten im Rahmen des Angebots übernimmt. -
Risikoabschläge auf den NAV (Net Asset Value):
Der NAV ist ein theoretischer Buchwert, kein Marktpreis. Ein Käufer, der in eine laufende, illiquide Beteiligung einsteigt, übernimmt alle Risiken (z.B. Wiederaufleben der Kommanditistenhaftung nach § 172 HGB, zukünftige Investitionsbedarfe, Marktschwankungen). Zudem möchte der Käufer eine Verzinsung für sein eingesetztes Kapital erwirtschaften. Deshalb liegen die Marktpreise fast immer unter dem rechnerischen Anteilswert. Je riskanter oder undurchsichtiger der Fonds, desto höher ist dieser Abschlag (Spread).
Steuerliche Aspekte beim Verkauf geschlossener Fonds
Der Verkauf kann komplexer sein als ein einfacher Aktienverkauf und hängt stark von der Art der Beteiligung ab.
Veräußerungsgewinn
Bei gewerblichen Fonds (Schiffe, Windkraft, gewerbliche Immobilien) ist der Gewinn (Verkaufspreis minus Buchwert des Kapitalkontos) grundsätzlich steuerpflichtig.
Spekulationsfrist (§ 23 EStG)
Bei vermögensverwaltenden Fonds (typisch für viele Immobilienfonds) gilt die 10-Jahres-Frist. Liegen zwischen Anschaffung und Verkauf weniger als 10 Jahre, ist der Gewinn voll steuerpflichtig. Nach 10 Jahren ist der Veräußerungsgewinn in der Regel steuerfrei.
Verlustverrechnung (§ 15a EStG)
Viele Anleger haben über die Laufzeit Verluste zugewiesen bekommen, die auf einem Verrechnungskonto "geparkt" sind (verrechenbare Verluste).
- Chance: Ein Veräußerungsgewinn kann mit diesen alten Verlusten verrechnet werden -> Steuerersparnis.
- Risiko: Erzielen Sie einen Verlust und haben noch alte § 15a-Verluste, drohen diese oft endgültig zu verfallen, da sie nicht auf andere Einkunftsarten übertragbar sind.
Weiteres zum Thema Steuern beim Verkauf von geschlossenen Fonds finden Sie im Beitrag: Geschlossene Immobilienfonds verkaufen Steuer.
Häufige Fragen zum Verkauf am Zweitmarkt geschlossene Fonds (FAQ)
Kann ich einfach bis zum Laufzeitende des Fonds warten?
Theoretisch ja, aber mit hohem Risiko verbunden. Viele Fonds haben ihr ursprüngliches Laufzeitende längst überschritten und sind dennoch nicht liquidiert. Gründe hierfür können fehlende Verkaufsanreize für das Management oder notwendige, aber fehlende Mehrheitsbeschlüsse der Gesellschafter sein. Ihr Kapital bleibt in diesen Fällen auf unbestimmte Zeit gebunden.
Kann ich den Fonds an die Gesellschaft zurückgeben?
Nein, meistens nicht. Anders als bei offenen Fonds ist eine Rückgabe von Anteilen gesetzlich nicht vorgesehen. Es ist in einigen Fällen möglich, die Beteiligung zu kündigen und eine Abfindung zu erhalten, diese liegt jedoch meistens deutlich unter den Preisen am Zweitmarkt.
Wie lange dauert der Verkauf?
Rechnen Sie mit 4 bis 8 Wochen. Die reine Preisfindung kann schnell gehen, aber die bürokratische Umschreibung (Treuhänder, Handelsregister) durch die Fondsverwaltung frisst Zeit.
Wie werden Anteile bewertet?
Professionelle Käufer nutzen meist eine Kombination aus Substanzwertanalyse (NAV) und Ertragswertverfahren. Dabei werden Vermögenswerte, Schulden, Liquidität sowie zukünftige Chancen und Risiken detailliert analysiert.
Ist ein Notar für den Verkauf notwendig?
Nein, ein Notar ist für die Umschreibung nicht notwendig, da es sich (bei Kommanditgesellschaften) nicht um ein Grundbuchgeschäft handelt – der schriftliche Vertrag reicht aus.
Fazit: Zweitmarkt geschlossene Fonds
Der Verkauf von geschlossenen Fonds ist oft der beste Weg, um aus illiquiden Beteiligungen auszusteigen. Der Trend geht dabei zunehmend zum Off-Market-Handel, um hohe Börsengebühren zu umgehen. Dennoch bleibt der "Exit" oft mit finanziellen Einbußen verbunden – was bei dieser oft schlecht laufenden Anlageform jedoch leider normal und meist unvermeidbar ist. Die Abschläge auf den Substanzwert sind der Preis für die vorzeitige Liquidität und die Risikoübernahme durch den Käufer.
Checkliste: geschlossene fonds verkaufen
- Dokumente: Existiert die Beteiligung noch und in welcher Höhe? (Prüfung durch aktuellen Steuerbescheid des Fonds).
- Strategie-Check: Möchte ich sofortige Liquidität oder bleibe ich im Risiko mit der Hoffnung auf einen späteren Exit durch Asset-Verkauf?
- Kosten: Wer übernimmt vertraglich die Umschreibungsgebühren?
- Steuer: Kann ich Steuervorteile (Verlustverrechnung, Freibeträge) nutzen?
- Haftung: Enthält der Kaufvertrag eine Freistellungsklausel für § 172 HGB?
Geschlossene Fonds am Zweitmarkt verkaufen
Sie besitzen Anteile an einem geschlossenen Fonds und erwägen einen Verkauf? Senden Sie mir einfach den Fondsnamen und den Nominalbetrag. Ich prüfe umgehend und unverbindlich, ob ein Ankauf aktuell möglich ist.
Jetzt Anfrage sendenWichtiger Hinweis & Haftungsausschluss: Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen in diesem Text. Der Beitrag basiert auf journalistischer Recherche und dient ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Er stellt ausdrücklich keine Finanzberatung, Anlageempfehlung oder Vermittlung von Finanzinstrumenten dar. Jede Investitionsentscheidung und jede daraus resultierende Maßnahme erfolgt auf alleinige Verantwortung und Risiko des Lesers.

