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Zweitmarktfonds – Was Anleger über geschlossene Fonds am Sekundärmarkt wissen müssen

Die kurze Antwort

Ein Zweitmarktfonds kauft keine neu aufgelegten Beteiligungen, sondern gebrauchte Anteile an bereits laufenden geschlossenen Fonds. Objektbestand, Mieter und Finanzierung sind dabei bekannt statt prognostiziert. Der Preis liegt in der Regel unter dem rechnerischen Anteilswert.

Der Begriff Zweitmarktfonds taucht in der Finanzbranche immer häufiger auf – doch was verbirgt sich dahinter? Im Kern handelt es sich um geschlossene Fonds, die nicht in neue Projekte investieren, sondern gezielt Anteile an bereits bestehenden geschlossenen Fonds auf dem Sekundärmarkt erwerben. Statt in Unbekanntes zu investieren, kauft man sich in Bekanntes ein – mit dem Vorteil einer dokumentierten Erfolgsbilanz. Dieser Beitrag erklärt, wie Zweitmarktfonds funktionieren, welche Chancen und Risiken sie bergen und für wen sie als Anlageform in Frage kommen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Was ist ein Zweitmarktfonds?Ein geschlossener Fonds, der als Dachfonds Anteile an bereits laufenden geschlossenen Fonds auf dem Sekundärmarkt erwirbt und in einem breit diversifizierten Portfolio bündelt.

RenditepotenzialDie Rendite entsteht aus der Preisdifferenz beim Ankauf gebrauchter Anteile, den laufenden Erträgen der Zielfonds und dem Erlös aus deren Auflösung. Zugesagt ist davon nichts.

DiversifikationEin einzelner Zweitmarktfonds hält oft 50 bis über 200 verschiedene Zielfonds – deutlich breiter gestreut als ein Einzelinvestment in einen geschlossenen Fonds.

TransparenzDa die Zielfonds bereits laufen, sind Mieteinnahmen, Instandhaltungskosten und Auslastungsquoten dokumentiert – das reduziert das Prognoserisiko gegenüber dem Erstmarkt.

Was ist ein Zweitmarktfonds? – Definition und Abgrenzung

Ein Zweitmarktfonds erwirbt Anteile an bereits laufenden geschlossenen Fonds. Er legt kein neues Objekt auf, sondern kauft sich in bestehende Portfolios ein. Ein Zweitmarktfonds ist ein geschlossener Fonds, der als Dachfonds konzipiert ist. Sein Fondsmanagement erwirbt systematisch Anteile an geschlossenen Beteiligungen, die bereits seit Jahren laufen – also nicht mehr auf dem Erstmarkt gezeichnet werden können. Diese Anteile werden von bestehenden Gesellschaftern verkauft, die aus unterschiedlichen Gründen vorzeitig aus der Beteiligung aussteigen möchten: sei es wegen veränderter Lebensumstände, Liquiditätsbedarf im Ruhestand oder dem Wunsch, das eigene Portfolio umzustrukturieren.

Die Fondsmanager von Zweitmarktfonds analysieren die am Zweitmarkt verfügbaren Beteiligungen sorgfältig und erwerben gezielt jene, die zu ihrem Portfolioprofil passen. Da geschlossene Fonds keine reguläre Börsennotierung besitzen, bilden sich die Preise am Sekundärmarkt auf Basis von Angebot und Nachfrage – das eröffnet sowohl Verkäufern eine Möglichkeit zur Veräußerung als auch Käufern den Zugang zu etablierten Beteiligungen.

Regulatorisch ist zu unterscheiden: Zweitmarktfonds, die seit Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) im Jahr 2013 aufgelegt wurden, sind als geschlossene Alternative Investmentfonds (AIF) strukturiert und unterliegen der Aufsicht der BaFin. Ältere Zweitmarktfonds, die vor 2013 emittiert wurden, waren hingegen als klassische geschlossene Fonds in Form von Kommanditgesellschaften konzipiert – ohne die heutigen Regulierungsanforderungen. Auch die Zielfonds, in die Zweitmarktfonds investieren, stammen häufig aus der Vor-KAGB-Ära und wurden als traditionelle KG-Beteiligungen aufgelegt. Anleger treten dem Zweitmarktfonds in der Regel als Kommanditisten bei und beteiligen sich mit einem festen Zeichnungsbetrag.

Der Schwerpunkt der meisten Zweitmarktfonds liegt auf geschlossenen Immobilienfonds – diese machen den mit Abstand größten Anteil am Sekundärmarkt aus. Daneben existieren vereinzelt auch Zweitmarktfonds, die in Schiffsbeteiligungen, Infrastrukturprojekte oder Erneuerbare-Energien-Fonds investieren. Die Konzentration auf Immobilien hat dabei einen handfesten Grund: Immobilienfonds verfügen über physische Substanzwerte und regelmäßige Mieteinnahmen, die eine vergleichsweise verlässliche Bewertungsgrundlage bieten.

🏢

Immobilienfonds

Größtes Segment am Zweitmarkt – stabile Mieteinnahmen und Substanzwerte als Bewertungsbasis

Energiefonds

Beteiligungen an Wind- und Solarprojekten mit langfristigen Einspeisevergütungen

🏗️

Infrastruktur

Verkehrs-, Versorgungs- und Sozialinfrastruktur mit planbaren Cashflows

🚢

Schiffsfonds

Historisch stark vertreten, heute nur noch selektiv – hohe Abhängigkeit von Charterraten

Wie funktioniert ein Zweitmarktfonds? – Vom Ankauf bis zur Ausschüttung

Der Fonds sammelt Kapital, kauft Anteile an Zielfonds, vereinnahmt deren Ausschüttungen und reicht sie nach Abzug der eigenen Kosten weiter. Am Ende der Laufzeit werden die Beteiligungen veräußert. Die Funktionsweise eines Zweitmarktfonds lässt sich in vier Phasen untergliedern. In der Platzierungsphase sammelt der Fonds Eigenkapital von Anlegern ein. Die Mindestbeteiligung liegt je nach Anbieter zwischen 5.000 und 25.000 Euro, zuzüglich eines Ausgabeaufschlags von in der Regel drei bis fünf Prozent. In der anschließenden Investitionsphase erwirbt das Fondsmanagement schrittweise Anteile an geschlossenen Zielfonds auf dem Sekundärmarkt. Dabei werden die einzelnen Beteiligungen sorgfältig analysiert: Wie hat sich der Fonds bisher entwickelt? Wie stehen die Mieteinnahmen? Welche Restlaufzeit verbleibt? Was ist der realistische Substanzwert?

In der Bewirtschaftungsphase fließen die laufenden Erträge der Zielfonds – etwa Mieteinnahmen bei Immobilienfonds – an den Zweitmarktfonds und werden regelmäßig an die Anleger ausgeschüttet. Höhe und Regelmäßigkeit dieser Ausschüttungen hängen davon ab, wie sich die Zielfonds im Portfolio entwickeln; sie sind weder zugesagt noch planbar und können ausgesetzt werden. In der abschließenden Auflösungsphase werden die Zielfonds nach und nach abgewickelt oder deren Anteile weiterveräußert. Der erzielte Erlös wird an die Anleger des Zweitmarktfonds verteilt.

Phase 1 📋 Platzierung

Der Fonds sammelt Eigenkapital von Anlegern ein. Mindestbeteiligung je nach Anbieter zwischen 5.000 und 25.000 Euro zuzüglich Ausgabeaufschlag.

Phase 2 🔍 Investition

Das Fondsmanagement erwirbt schrittweise Anteile an geschlossenen Zielfonds am Sekundärmarkt – nach sorgfältiger Analyse jeder einzelnen Beteiligung.

Phase 3 💰 Bewirtschaftung

Laufende Erträge der Zielfonds (z. B. Mieteinnahmen) fließen an den Zweitmarktfonds und werden regelmäßig an die Anleger ausgeschüttet.

Phase 4 ✅ Auflösung

Die Zielfonds werden nach und nach abgewickelt oder deren Anteile veräußert. Der Erlös wird an die Anleger des Zweitmarktfonds verteilt.

Ein wesentlicher Unterschied zum klassischen geschlossenen Fonds: Bei einem Zweitmarktfonds investiert der Anleger nicht in ein einzelnes Projekt – etwa eine bestimmte Immobilie oder ein Schiff –, sondern in ein breites Portfolio aus zahlreichen Beteiligungen. Etablierte Anbieter halten in ihren Portfolien nicht selten 50 bis über 200 verschiedene Zielfonds. Diese Streuung reduziert das Klumpenrisiko erheblich und unterscheidet Zweitmarktfonds fundamental von Einzelinvestments in geschlossene Fonds.

Die Auswahl der Zielfonds folgt dabei einem strukturierten Prozess. Erfahrene Anbieter verfügen über umfangreiche Datenbanken mit Informationen zu tausenden geschlossenen Fonds und deren wirtschaftlicher Entwicklung. Jede potenzielle Akquisition wird anhand objektiver Kriterien geprüft: Standortqualität, Mieterstruktur, Instandhaltungszustand, Restlaufzeit und aktuelles Ausschüttungsniveau. Nur Beteiligungen, die diese Prüfung bestehen und zum aktuellen Marktpreis ein attraktives Rendite-Risiko-Profil aufweisen, werden für das Portfolio erworben.

Zweitmarktfonds Rendite und Performance – was die Zahlen zeigen

Die Rendite entsteht aus zwei Quellen: den laufenden Ausschüttungen der Zielfonds und der Differenz zwischen Kaufpreis und späterem Liquidationserlös. Die Renditeerwartungen bei Zweitmarktfonds liegen über denen klassischer Anleihen oder Festgeldprodukte, spiegeln aber auch das höhere Risikoprofil wider. Erfahrene Anbieter in diesem Segment können auf eine nachweisbare Leistungsbilanz verweisen.

Im Bereich der Immobilien-Zweitmarktfonds bewegen sich die durchschnittlichen Ankaufsrenditen bei rund acht Prozent. Diese Preisdifferenz ist der eigentliche Renditetreiber: Der Zweitmarktfonds kauft Anteile unterhalb des rechnerischen Anteilswerts und vereinnahmt anschließend die vollen laufenden Erträge sowie den vollen Anteil am späteren Liquidationserlös. Ob daraus am Ende ein Gewinn wird, entscheidet sich erst mit der Abwicklung der Zielfonds – und damit Jahre nach der Zeichnung.

📈 ~8 % Ø Ankaufsrendite bei Immobilien-Zweitmarktfonds
📊 50–200+ Zielfonds pro Portfolio – breite Diversifikation

Der Zweitmarktansatz lebt davon, dass Anteile mit bereits bekannter Ertragslage unterhalb des rechnerischen Anteilswerts erworben werden. Ob daraus eine Rendite wird, hängt am Auswahlprozess des Managements und daran, ob die Zielfonds ihre Objekte am Ende zu den unterstellten Werten verkaufen können. Veröffentlichte Leistungsbilanzen sind Vergangenheitswerte und, wie bei allen Kapitalanlagen, kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Entscheidend für die tatsächliche Rendite sind neben der Qualität des Fondsmanagements auch externe Faktoren wie die Zinsentwicklung, die Lage am Immobilienmarkt und die wirtschaftliche Gesamtsituation. Anleger sollten daher die Leistungsbilanz eines Anbieters zwar als Orientierung heranziehen, aber keine Garantie für künftige Erträge daraus ableiten.

Erstmarkt vs. Zweitmarkt – warum der Sekundärmarkt Vorteile bieten kann

Beim Erstmarkt zeichnet der Anleger eine Prognose, beim Zweitmarkt kauft er eine Historie. Objektbestand, Mieter, Finanzierung und bisherige Ausschüttungen sind zum Kaufzeitpunkt bekannt. Ein geschlossener Fonds auf dem Erstmarkt ist in vielerlei Hinsicht eine Wette auf die Zukunft. Zum Zeitpunkt der Zeichnung existiert das Investitionsobjekt oft nur auf dem Papier – oder es befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase. Anleger müssen sich auf die Prognosen des Emittenten verlassen, ohne die tatsächliche Entwicklung beurteilen zu können. Genau hier liegt das sogenannte Blind-Pool-Risiko.

Am Zweitmarkt stellt sich die Situation anders dar. Die Zielfonds laufen bereits seit Jahren, ihre wirtschaftliche Entwicklung ist dokumentiert und anhand konkreter Daten nachvollziehbar. Mieteinnahmen, Instandhaltungskosten, Auslastungsquoten – all diese Informationen liegen vor und können vom Fondsmanagement eines Zweitmarktfonds in die Kaufentscheidung einbezogen werden. Das reduziert das Prognoserisiko erheblich.

📄 Erstmarkt (Neuzeichnung)

🔒Investitionsobjekt oft nur als Prospekt
🔒Blind-Pool-Risiko – Prognosen statt Daten
🔒Weichkosten 10–20+ % des Eigenkapitals
🔒Einzelinvestment – hohes Klumpenrisiko

🔄 Zweitmarkt (Sekundärmarkt)

🔓Zielfonds laufen bereits – reale Daten verfügbar
🔓Nachvollziehbare Performance statt Prognosen
🔓Weichkosten bereits eingepreist
🔓Dachfonds-Struktur – breite Diversifikation

Ein weiterer Vorteil: Die Weichkosten des Erstmarkts – also Vertriebsprovisionen, Konzeptionsgebühren und sonstige Aufwendungen, die bei Neuauflage eines Fonds anfallen und je nach Produkt 10 bis über 20 Prozent des Eigenkapitals betragen können – sind beim Zweitmarkt-Kauf in der Preisbildung bereits berücksichtigt. Der Zweitmarktfonds zahlt einen Preis, der sich am tatsächlichen wirtschaftlichen Wert der Beteiligung orientiert, nicht an einem mit Vertriebskosten aufgeblähten Erstausgabekurs.

Erstmarkt und Zweitmarkt im direkten Vergleich
Merkmal Erstmarkt (Neuzeichnung) Zweitmarkt (gebrauchter Anteil)
Objektbestand noch nicht oder nur teilweise feststehend bekannt, mit Mietern und Laufzeiten
Wirtschaftliche Entwicklung Prognose des Anbieters dokumentierte Historie, meist über Jahre
Weichkosten 10 bis 20 Prozent des Eigenkapitals fallen neu an bereits vom Erstzeichner getragen
Preisbildung Nominalbetrag zuzüglich Agio Angebot und Nachfrage, meist unter dem Anteilswert
Restlaufzeit volle Laufzeit von 10 bis 25 Jahren verkürzt, häufig wenige Jahre bis zur Liquidation
Ausschüttungshistorie keine nachvollziehbar, inklusive ausgefallener Jahre
Haftungslage Einlage noch vollständig erbracht Rückzahlungen der Vergangenheit wirken nach § 172 Abs. 4 HGB fort

Zweitmarktfonds Anbieter – wer den Markt prägt

Der Markt wird von einer einstelligen Zahl spezialisierter Emissionshäuser getragen, dazu kommen einzelne Bankentöchter. Die folgenden vier Anbieter stehen für den überwiegenden Teil des in Deutschland platzierten Zweitmarktkapitals. Die Angaben stammen aus den jeweiligen Selbstdarstellungen und Leistungsbilanzen und sind nicht unabhängig geprüft.

asuco

gegründet 2009 · München
Strukturinhabergeführt, bankenunabhängig
SchwerpunktImmobilien-Zielfonds
Produktformüberwiegend Namensschuldverschreibungen
Zu beachtenSchuldverschreibung heißt Gläubigerstellung, nicht Miteigentum

HTB Hanseatische Fondshaus

Zweitmarkt seit 2002 · Bremen
Strukturinhabergeführt
SchwerpunktImmobilien, daneben Schiffe
Produktformgeschlossene Publikums-AIF, fortlaufende Reihe
Zu beachtenlange Reihe erlaubt den Abgleich von Prognose und Verlauf

BVT

Zweitmarktportfolio-Serie · München
Strukturunabhängige Unternehmensgruppe
SchwerpunktImmobilien, daneben US-Mietwohnen
Produktformnummerierte Nachfolgefonds
Zu beachtenPortfolio steht bei Zeichnung noch nicht fest

WealthCap

Zweitmarkt seit 1992 · München
StrukturTochter einer Bankengruppe
SchwerpunktMulti-Asset, breite Streuung
ProduktformPublikums-AIF über das eigene Vertriebsnetz
Zu beachtenVertriebsweg über die Konzernbank, entsprechende Vertriebskosten

Diese Anbieter sind zugleich die Gegenseite jedes Verkaufs: Sie kaufen die Anteile, die andere Anleger abgeben. Ihr Ergebnis entsteht aus der Differenz zwischen Ankaufspreis und späterem Rückfluss, weshalb der Ankaufspreis für sie eine Kalkulationsgröße ist und kein Ergebnis. Für den Zeichner eines solchen Fonds kommt hinzu, dass er die Kostenebene des Zweitmarktfonds zusätzlich zu den Kosten der Zielfonds trägt.

Was sich an den veröffentlichten Angaben tatsächlich prüfen lässt, sind drei Punkte: die Zahl der bereits vollständig abgewickelten Fonds, das Verhältnis der tatsächlichen Ausschüttungen zur ursprünglichen Prognose und die Streuung über Zielfonds und Objekte. Prospektierte Ausschüttungsquoten für laufende Fonds gehören nicht dazu, sie sind Planwerte. Die Leistungsbilanzen sind veröffentlichungspflichtig und lassen sich über mehrere Fondsgenerationen hinweg vergleichen.

Zweitmarktfonds Risiken – wo die Struktur an Grenzen stößt

Trotz der genannten Vorteile sind Zweitmarktfonds keine risikofreie Anlage. Wie bei allen geschlossenen Fonds besteht grundsätzlich das Risiko eines Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Auch wenn dieses Risiko durch die breite Diversifikation und die Datenlage am Zweitmarkt reduziert wird, kann es nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Die Liquidität ist eingeschränkt. Anteile an einem Zweitmarktfonds sind, wie bei geschlossenen Fonds üblich, nicht frei handelbar. Anleger sollten einen Anlagehorizont von zehn bis fünfzehn Jahren mitbringen und nur Kapital investieren, das sie in diesem Zeitraum nicht benötigen. Ein vorzeitiger Ausstieg ist in der Regel nur über den Zweitmarkt selbst möglich – zu dann aktuellen, nicht vorhersehbaren Konditionen.

Zudem sind viele Zweitmarktfonds als Blind Pools konzipiert: Zum Zeitpunkt der Zeichnung steht nicht im Detail fest, welche Zielfonds-Anteile das Management erwerben wird. Anleger vertrauen darauf, dass das Fondsmanagement die richtigen Ankaufsentscheidungen trifft. Die Qualität und Erfahrung des Anbieters sind daher ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Anlage.

Schließlich sollten Anleger die Kostenstruktur genau prüfen. Bei einem Zweitmarktfonds als Dachfonds fallen Kosten auf zwei Ebenen an: auf Ebene des Zweitmarktfonds selbst (Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühr, ggf. Performance Fee) und auf Ebene der Zielfonds (deren laufende Kosten bestehen unabhängig weiter). Diese doppelte Kostenbelastung kann die Nettorendite spürbar schmälern. Transparente Anbieter weisen die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio) in ihren Unterlagen aus – ein wichtiges Vergleichskriterium bei der Auswahl eines Zweitmarktfonds. Anleger sollten zudem darauf achten, ob und in welcher Höhe eine leistungsabhängige Vergütung (Performance Fee) vereinbart ist, die bei Überschreiten einer definierten Mindestrendite anfällt.

Für wen eignen sich Zweitmarktfonds?

Ein Zweitmarktfonds passt zu Anlegern, die Kapital über zehn Jahre und länger binden können und eine Streuung über viele Zielfonds einer Einzelbeteiligung vorziehen. Zweitmarktfonds richten sich an Anleger, die ihr Portfolio um Sachwertbeteiligungen ergänzen möchten und bereit sind, für ein höheres Renditepotenzial eine eingeschränkte Liquidität in Kauf zu nehmen. Die breite Streuung über zahlreiche Zielfonds und der Zugang zu einem professionell organisierten Sekundärmarkt machen sie zu einer interessanten Alternative zum Direkterwerb einzelner geschlossener Fonds.

Besonders geeignet sind Zweitmarktfonds für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont, die bereits über ein diversifiziertes Grundportfolio aus liquiden Anlagen verfügen. Als Beimischung können sie Renditechancen eröffnen, die am Kapitalmarkt in vergleichbarer Form schwer zugänglich sind – insbesondere im Immobilienbereich, wo die Kombination aus laufenden Mieteinnahmen und Substanzwertpotenzial für ein attraktives Rendite-Risiko-Profil sorgen kann.

Auch für Anleger, die bisher ausschließlich in liquide Produkte wie ETFs oder Aktien investiert haben, können Zweitmarktfonds einen sinnvollen Diversifikationsbaustein darstellen. Die Erträge aus Immobilien-Zweitmarktfonds weisen eine geringe Korrelation zu den Schwankungen der öffentlichen Kapitalmärkte auf und können so zur Stabilisierung des Gesamtportfolios beitragen.

Das aktuelle Marktumfeld spricht ebenfalls für dieses Segment. Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds hat sich in den vergangenen Jahren zu einem etablierten und professionell organisierten Marktsegment entwickelt. Die steigende Zahl an Transaktionen und die wachsende Anbieterbasis sorgen für eine zunehmend effiziente Preisbildung, von der sowohl Käufer als auch Verkäufer profitieren können.

Anleger, die sich für Zweitmarktfonds interessieren oder bereits Anteile an geschlossenen Fonds halten und über ihre Optionen nachdenken, sollten sich frühzeitig informieren und die verschiedenen Angebote am Markt sorgfältig vergleichen. Wer als bestehender Gesellschafter eines geschlossenen Fonds über einen Verkauf nachdenkt, findet am Zweitmarkt die Möglichkeit, seine Beteiligung an einen Käufer zu veräußern – darunter auch professionelle Zweitmarktfonds, die als institutionelle Abnehmer für ein breites Spektrum an Beteiligungen auftreten.

Geschlossenen Fonds am Zweitmarkt verkaufen

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Glossar: Zweitmarktfonds

Zweitmarktfonds
Geschlossener Fonds (AIF) in Dachfonds-Struktur, der gezielt Anteile an bestehenden geschlossenen Fonds auf dem Sekundärmarkt erwirbt und in einem diversifizierten Portfolio bündelt.
Zweitmarkt (Sekundärmarkt)
Markt, auf dem Anteile an geschlossenen Fonds nach der Erstplatzierung zwischen Gesellschaftern und Käufern gehandelt werden. Bietet die Möglichkeit, Beteiligungen vor Laufzeitende an einen Käufer zu veräußern.
Blind Pool
Fondsstruktur, bei der zum Zeitpunkt der Zeichnung die konkreten Investitionsobjekte noch nicht feststehen. Bei Zweitmarktfonds bedeutet das: Der Anleger vertraut darauf, dass das Management die richtigen Zielfonds auswählt.
Substanzwert (NAV)
Errechneter innerer Wert einer Beteiligung, basierend auf den tatsächlichen Vermögenswerten des Fonds (Immobilien, Mietverträge, Liquiditätsreserven) abzüglich Verbindlichkeiten.
Weichkosten
Kosten, die bei Auflage eines geschlossenen Fonds nicht in das Investitionsobjekt fließen, sondern für Vertrieb, Konzeption und Verwaltung anfallen. Bei Erstmarkt-Fonds betragen sie oft 10–20+ % des Eigenkapitals.
Zielfonds
Der bereits laufende geschlossene Fonds, an dem sich ein Zweitmarktfonds beteiligt. Die Zahl der Zielfonds bestimmt, wie breit das Portfolio gestreut ist.
Leistungsbilanz
Die veröffentlichte Gegenüberstellung von Prognose und tatsächlichem Verlauf aller Fonds eines Anbieters. Sie ist die einzige Quelle, mit der sich Ankaufsqualität über mehrere Fondsgenerationen hinweg vergleichen lässt.
Restlaufzeit
Die verbleibende Zeit bis zur geplanten Liquidation eines Zielfonds. Sie ist beim Zweitmarktkauf der wichtigste Preisfaktor, weil sie bestimmt, wie schnell das Kapital zurückfließt.

Häufig gestellte Fragen zu Zweitmarktfonds

Was ist ein Zweitmarktfonds und wie funktioniert er?

Ein Zweitmarktfonds ist ein geschlossener Fonds in Dachfonds-Struktur, der Anteile an bereits laufenden geschlossenen Fonds auf dem Sekundärmarkt erwirbt. Das Fondsmanagement erwirbt gezielt Beteiligungen am Sekundärmarkt, bündelt sie in einem diversifizierten Portfolio und schüttet die laufenden Erträge der Zielfonds an seine Anleger aus.

Welche Rendite erzielen Zweitmarktfonds?

Die Rendite eines Zweitmarktfonds speist sich aus drei Quellen: der Preisdifferenz beim Ankauf gebrauchter Anteile, den laufenden Erträgen der Zielfonds und dem Erlös aus deren Auflösung. Die durchschnittlichen Ankaufsrenditen liegen bei etwa acht Prozent. Konkrete Auszahlungshöhen einzelner Produkte nennen wir bewusst nicht – sie sind Vergangenheitswerte und kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

Welche Risiken bestehen bei Zweitmarktfonds?

Die wesentlichen Risiken umfassen: eingeschränkte Liquidität (Laufzeit 10–15 Jahre), Blind-Pool-Risiko (Zielfonds stehen bei Zeichnung nicht fest), doppelte Kostenstruktur (Dachfonds- plus Zielfonds-Kosten) und grundsätzlich das Risiko eines Kapitalverlusts. Die breite Diversifikation über zahlreiche Zielfonds mindert jedoch das Klumpenrisiko gegenüber Einzelinvestments.

Worin unterscheiden sich Erst- und Zweitmarkt bei geschlossenen Fonds?

Am Erstmarkt zeichnen Anleger neue Fonds, deren Investitionsobjekte oft noch nicht realisiert sind (Blind-Pool-Risiko). Am Zweitmarkt werden Anteile an bereits laufenden Fonds gehandelt – mit nachvollziehbarer Performance und dokumentierter wirtschaftlicher Entwicklung. Zudem sind die Weichkosten des Erstmarkts im Zweitmarkt-Preis bereits berücksichtigt.

Woher bekommt ein Zweitmarktfonds die Anteile, die er kauft?

Von Anlegern, die vorzeitig aussteigen wollen. Die Anteile werden entweder direkt angeboten oder über Vermittler an den Fonds herangetragen. Ein börsenähnlicher Handel mit fortlaufender Preisfeststellung existiert für geschlossene Fonds nicht.

Wie wird der Kaufpreis eines gebrauchten Anteils ermittelt?

Ausgangspunkt ist der rechnerische Anteilswert, also der Wert der Objekte zuzüglich Liquidität und abzüglich Verbindlichkeiten. Davon ausgehend preist der Käufer Restlaufzeit, Objektqualität, Ausschüttungsfähigkeit und Haftungsrisiken ein. Der gezahlte Preis liegt deshalb regelmäßig darunter.

Haftet ein Zweitmarktfonds für Altverbindlichkeiten der Zielfonds?

Mit dem Anteil geht auch die Kommanditistenstellung über. Wurden in der Vergangenheit Ausschüttungen geleistet, die nicht durch Gewinne gedeckt waren, lebt die Haftung nach § 172 Abs. 4 HGB in dieser Höhe wieder auf und trifft dann den neuen Gesellschafter.

Kann ich Anteile an einem Zweitmarktfonds selbst wieder verkaufen?

Auch ein Zweitmarktfonds ist ein geschlossener Fonds ohne Rückgaberecht. Ein Ausstieg vor Laufzeitende ist nur über die Übertragung des Anteils an einen Käufer möglich, sofern der Gesellschaftsvertrag das zulässt.

Was unterscheidet einen Zweitmarktfonds von einem Direktverkauf an einen Käufer?

Der Zweitmarktfonds ist ein Anlageprodukt für Käufer, der Direktverkauf ein Vorgang für Verkäufer. Wer eine bestehende Beteiligung abgeben möchte, verhandelt mit einem Käufer über Preis und Übertragungsstichtag, ohne selbst in ein Fondsprodukt zu investieren.

Eduard Meider – Investor für geschlossene Fonds am Zweitmarkt

Über den Autor

Eduard Meider

Investor und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf den Zweitmarkt für geschlossene Fonds/AIFs, insbesondere in den Assetklassen Immobilien und Schiffe.

Nach seinem Studium zum Master of Science in Internationaler Finanzwirtschaft an der HWR Berlin blickt er auf über 10 Jahre berufliche Investmenterfahrung zurück, unter anderem als Investment- und Fondsmanager für ein Family Office und dessen Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf geschlossene Immobilienfonds. Zuvor durchlief er Stationen in der Wirtschaftsprüfung bei PwC und im Venture Capital bei der KLINGEL-Gruppe.

Zudem ist er Autor international erschienener Fachbücher, unter anderem „Decentralized Finance für Einsteiger“ sowie „Financial Innovation and Value Creation“ bei Springer.

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Wichtiger Hinweis & Haftungsausschluss: Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen in diesem Text. Der Beitrag basiert auf journalistischer Recherche und dient ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Er stellt ausdrücklich keine Finanzberatung, Anlageempfehlung oder Vermittlung von Finanzinstrumenten dar. Jede Investitionsentscheidung und jede daraus resultierende Maßnahme erfolgt auf alleinige Verantwortung und Risiko des Lesers.