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DCM Gruppe – Emissionshaus, Insolvenz 2013 und die Fonds heute

Die kurze Antwort

Die DCM Deutsche Capital Management AG war ein Münchner Emissionshaus für geschlossene Fonds. Bis zur Insolvenz 2013 legte sie 46 Fonds mit rund 98.000 Beteiligungen auf. Die Fondsgesellschaften bestehen als eigenständige Kommanditgesellschaften fort und werden bis heute verwaltet.

Die DCM Gruppe war eines der größeren unabhängigen Emissionshäuser für geschlossene Fonds in Deutschland. 2013 meldete sie Insolvenz an. Die Fonds selbst bestanden weiter, wechselten aber ihre Verwaltung. Dieser Beitrag beschreibt die Historie, was die Insolvenz für Anleger bedeutete und wer die Beteiligungen heute betreut.

Überblick: Die DCM Gruppe auf einen Blick

UMFANG Bis zur Insolvenz wurden 46 Fonds aufgelegt, 30 davon im Immobilienbereich, mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 4,7 Milliarden Euro und rund 98.000 Beteiligungen.

INSOLVENZ Am 2. April 2013 stellte die DCM Deutsche Capital Management AG Insolvenzantrag; am 28. Mai 2013 eröffnete das Amtsgericht München das Verfahren.

DIE FONDS BLIEBEN Die Fondsgesellschaften sind rechtlich selbstständig und waren von der Insolvenz der Muttergesellschaft nicht unmittelbar betroffen.

HEUTE Die PRONOVI Fondsverwaltungs GmbH hat das Management der DCM-Fonds übernommen; die Transportfonds gingen an die LHI Gruppe.

Von 1986 bis zur Deutsche Capital Management AG

Das Unternehmen wurde 1986 gegründet. 1999 ging es in der neu gegründeten DCM Deinböck Capital Management AG auf, 2003 folgte die Umfirmierung in Deutsche Capital Management AG. Der Sitz lag in der Hopfenstraße in München.

Die DCM Gruppe bis zur Insolvenz
Merkmal Angabe
Gegründet 1986
Sitz Hopfenstraße 6, München
Aufgelegte Fonds 46, davon 30 im Immobilienbereich
Gesamtinvestitionsvolumen rund 4,7 Milliarden Euro
Eigenkapital der Anleger rund 2,0 Milliarden Euro
Verwaltete Beteiligungen rund 98.000
Anlageklassen Immobilien, Transport, Energie, Medien, Altersvorsorge
Insolvenzantrag 2. April 2013
Verfahrenseröffnung 28. Mai 2013, Amtsgericht München

Der Schwerpunkt lag bei Immobilien. Von den 46 bis zur Insolvenz emittierten Fonds entfielen 30 auf den Immobilienbereich; das Gesamtinvestitionsvolumen betrug rund 4,7 Milliarden Euro, davon 2,0 Milliarden Euro Eigenkapital der Anleger, und die verwalteten Beteiligungen beliefen sich auf rund 98.000. Damit zählte das Haus gemessen am platzierten Volumen zu den führenden unabhängigen Anbietern in Deutschland.

Das Angebot war breit. Neben den Renditefonds mit Immobilien gab es Medienfonds, Transportfonds mit Flugzeugen und Triebwerken, Energiefonds mit Photovoltaik sowie Altersvorsorgeprodukte. Diese Streuung über mehrere Anlageklassen war für ein unabhängiges Emissionshaus ungewöhnlich breit und erklärt, warum DCM-Beteiligungen heute in sehr unterschiedlichen Depots auftauchen.

Die Struktur der Fonds. Als Komplementärin der Fondsgesellschaften fungierte in der Regel die DCM Verwaltungs GmbH, für die laufende Fondsverwaltung war die DCM Service GmbH zuständig. Diese Aufgabenteilung ist wichtig für das Verständnis dessen, was 2013 geschah.

Die Insolvenz 2013 und was sie für Anleger bedeutete

Am 2. April 2013 stellte die DCM AG beim Amtsgericht München einen Eigenantrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit. Am 28. Mai 2013 eröffnete das Gericht das Verfahren unter dem Aktenzeichen 1513 IN 1096/13. Die Gesellschaft war damit aufgelöst. Als Insolvenzverwalter wurde Dr. Michael Jaffé bestellt.

Der entscheidende Punkt für Anleger. Eine Fondsgesellschaft ist eine eigene Kommanditgesellschaft mit eigenem Vermögen. Sie geht nicht automatisch mit dem Emissionshaus unter. Der Insolvenzverwalter stellte ausdrücklich fest, dass die seit 2006 platzierten geschlossenen Fonds in den Assetbereichen Transport und Energie als rechtlich selbstständige Gesellschaften nicht unmittelbar von der Insolvenz der Muttergesellschaft betroffen waren.

Mittelbar betroffen waren sie trotzdem. Die Dienstleistungen, die eine Fondsgesellschaft braucht, kamen von Tochtergesellschaften der DCM AG: Buchhaltung, Anlegerverwaltung, Objektbetreuung. Fällt dieser Dienstleister aus, steht die Gesellschaft ohne Verwaltung da. Genau deshalb war es das erklärte Ziel des Verfahrens, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und Erwerber für die Managementaktivitäten zu finden.

Für Anleger bedeutete die Phase von 2013 bis 2014 vor allem Unsicherheit darüber, wer künftig die Beteiligung betreut und ob Abrechnungen und Steuermitteilungen weiter erstellt werden.

Die Transportfonds und der Übergang zur LHI Gruppe

Der Bereich Transport umfasste Flugzeuge und Triebwerke. Er wurde als erster verwertet.

Rund elf Monate nach dem Insolvenzantrag war dieser Teil der Geschäftsaktivitäten verkauft. Nach Angaben des Insolvenzverwalters ging das Management von fünf Transportfonds in neue Hände; Vermögenswerte von insgesamt rund 800 Millionen US-Dollar blieben für rund 14.000 Anleger erhalten, und die Verwaltung der Leasingverträge erfolgte unter Federführung der LHI Gruppe. Das Portfolio bestand aus vier Flugzeugen des Typs Boeing 777-200 LRF sowie zwei Triebwerken vom Typ GE90-115B.

Das erklärt die heutigen Fondsnamen. Wer eine Beteiligung aus dem DCM-Transportbereich hält, findet sie heute häufig unter einem LHI-Namen. So firmiert der frühere DCM Flugzeugfonds 3 inzwischen als LHI Flugzeugfonds 5. Für die Suche nach Unterlagen ist das entscheidend: Maßgeblich ist der aktuelle Name der Fondsgesellschaft, nicht die Bezeichnung aus dem Verkaufsprospekt.

Wie geschlossene Flugzeugfonds grundsätzlich funktionieren und woran sich ihr Ergebnis entscheidet, beschreibt der Beitrag Geschlossene Flugzeugfonds.

Wer die DCM-Fonds heute verwaltet

Für die übrigen Fonds, insbesondere die Immobilienbeteiligungen, hat die PRONOVI Fondsverwaltungs GmbH mit Sitz in München das Management übernommen. Das Unternehmen wurde 2013 gegründet, also im Jahr der Insolvenz, und ist heute mit einer Reihe von DCM-Fondsgesellschaften verbunden.

Wer also Post zu einer DCM-Beteiligung erhält, erhält sie in aller Regel von PRONOVI, während die Fondsgesellschaft selbst unter ihrem ursprünglichen Namen fortbesteht. Ein Beispiel ist der DCM ZukunftsWerte, dessen Gesellschaft unverändert als Deutsche Fonds Management GmbH & Co. DCM Renditefonds 24 KG firmiert. Die folgende Übersicht zeigt, welche Fonds der Reihe hier im Einzelnen behandelt sind und wer sie betreut.

Behandelte Fonds der DCM-Reihe
Fonds Gegenstand Verwaltung
DCM ZukunftsWerte Pflegeimmobilien, zuletzt 32 Objekte PRONOVI
DCM Solar 1 Photovoltaik auf ALDI-Dächern und in Spanien PRONOVI
LHI Flugzeugfonds 1 eine Boeing 777-200LRF LHI
LHI Worldfreighter Beteiligung an zwei Objektgesellschaften LHI
LHI Flugzeugfonds 2 und 3 je eine Boeing 777-200LRF LHI
LHI Flugzeugfonds 5 eine Boeing 777-200LRF, Baujahr 2009 LHI

Drei Ebenen auseinanderhalten. Das Emissionshaus ist insolvent und aufgelöst. Die Fondsgesellschaft besteht als Kommanditgesellschaft fort und hält weiterhin ihr Vermögen. Die Verwaltung liegt heute bei einem Dritten. Für die eigene Beteiligung zählt allein die mittlere Ebene: die Firmierung der Kommanditgesellschaft, wie sie im Feststellungsbescheid steht.

Was Anleger dazu wissen sollten

Die Insolvenz des Emissionshauses sagt nichts darüber aus, wie es der einzelnen Beteiligung geht. Ein Fonds mit gut vermieteten Objekten kann trotz Anbieterinsolvenz tragfähig sein, ein anderer auch ohne sie in Schwierigkeiten stecken. Auskunft geben allein die Unterlagen der Fondsgesellschaft: der letzte Geschäftsbericht, die Beschlüsse der Gesellschafterversammlungen und die jährliche Steuermitteilung mit dem Stand des Kapitalkontos.

Drei Punkte sind bei DCM-Beteiligungen besonders zu klären:

  • Der aktuelle Name der Gesellschaft. Bei den Transportfonds hat er sich geändert; die Produktbezeichnung aus dem Prospekt führt in die Irre.
  • Die zuständige Verwaltung. Je nach Anlageklasse ist das PRONOVI oder eine Gesellschaft aus dem LHI-Umfeld.
  • Das Alter der Beteiligung. Die meisten dieser Fonds stammen aus den 2000er Jahren; ihre prospektierten Laufzeiten sind abgelaufen.

Wurden Auszahlungen geleistet, die nicht durch Gewinne gedeckt waren, kann die Kommanditistenhaftung nach § 172 Abs. 4 HGB wieder aufleben; die strukturellen Risiken solcher Beteiligungen sind im Beitrag Risiken geschlossener Immobilienfonds dargestellt. Die Grundlagen dieser Anlageform beschreibt der Beitrag Was sind geschlossene Fonds.

Eine DCM-Beteiligung verkaufen

Anteile an einem geschlossenen Fonds können nicht an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. Das eingesetzte Kapital bleibt gebunden, bis das Objekt verwertet und die Gesellschaft abgewickelt ist. Wann das geschieht, ist im Voraus nicht bestimmbar: Prospektierte Laufzeiten sind Planannahmen und wurden vielfach überschritten. Ein Ausstieg vorher setzt voraus, dass sich ein Erwerber findet.

Die Übertragung erfolgt durch Abtretung des Kommanditanteils, je nach Gesellschaftsvertrag mit Wirkung zum Monats-, Quartals- oder Jahresende, meist zum Jahresende. Sie bedarf der Zustimmung der Geschäftsführung oder des Treuhänders und wird anschließend im Register umgeschrieben. Die Abwicklung läuft über die heutige Fondsverwaltung. Welche Nachweise erforderlich sind und an welchen Punkten Übertragungen in der Praxis scheitern, ist im Beitrag Geschlossene Fonds am Zweitmarkt verkaufen dargestellt.

Für den Verkauf Ihrer Beteiligung erreichen Sie mich unter fonds@em-strategy.com.

Häufige Fragen zur DCM Gruppe

Ist meine DCM-Beteiligung durch die Insolvenz wertlos geworden?

Nicht automatisch. Eine Fondsgesellschaft ist eine eigene Kommanditgesellschaft mit eigenem Vermögen und geht nicht mit dem Emissionshaus unter. Der Insolvenzverwalter stellte ausdrücklich fest, dass die Fonds der Bereiche Transport und Energie als rechtlich selbstständige Gesellschaften nicht unmittelbar betroffen waren. Wie es der einzelnen Beteiligung geht, ergibt sich aus dem Geschäftsbericht der Fondsgesellschaft.

Wann war die Insolvenz der DCM AG?

Der Eigenantrag wegen Zahlungsunfähigkeit wurde am 2. April 2013 beim Amtsgericht München gestellt. Am 28. Mai 2013 eröffnete das Gericht das Verfahren unter dem Aktenzeichen 1513 IN 1096/13; die Gesellschaft war damit aufgelöst. Insolvenzverwalter war Dr. Michael Jaffé.

Warum heißt mein DCM-Flugzeugfonds heute LHI?

Weil der Transportbereich als erster verwertet wurde. Rund elf Monate nach dem Insolvenzantrag ging das Management von fünf Transportfonds in neue Hände, die Verwaltung der Leasingverträge erfolgte unter Federführung der LHI Gruppe. Der frühere DCM Flugzeugfonds 3 firmiert seither als LHI Flugzeugfonds 5. Für die Suche nach Unterlagen ist der aktuelle Name maßgeblich.

Wer verwaltet die DCM-Fonds heute?

Für die Immobilien- und übrigen Fonds die PRONOVI Fondsverwaltungs GmbH mit Sitz in München, gegründet 2013. Die Transportfonds werden aus dem LHI-Umfeld betreut. Die Fondsgesellschaften selbst firmieren überwiegend unverändert unter ihren ursprünglichen Namen.

Was passiert mit einer DCM-Beteiligung im Erbfall?

Bei Beteiligungen dieser Gruppe entscheidet der Gesellschaftsvertrag der jeweiligen Fondsgesellschaft. Ein direkt gehaltener Kommanditanteil geht beim Tod des Anlegers nach den Erbquoten unmittelbar auf die einzelnen Erben über; eine Erbengemeinschaft am Anteil entsteht nicht. Bei einer Treuhandbeteiligung gilt der Treuhandvertrag. In der Regel verlangt die Gesellschaft einen Erbnachweis, etwa Erbschein oder notarielles Testament. Wer die Beteiligung nicht behalten möchte, kann sie nach der Legitimation am Zweitmarkt verkaufen. Grundlagen: Beitrag Erbschaft von geschlossenen Immobilienfonds.

Fazit und Ausblick

Die DCM Gruppe war bis 2013 eines der größeren unabhängigen Emissionshäuser Deutschlands, mit rund 98.000 Beteiligungen und einem Investitionsvolumen von 4,7 Milliarden Euro. Ihre Insolvenz beendete das Emissionsgeschäft, nicht aber die Fonds.

Bei einer solchen Beteiligung sind drei Ebenen zu unterscheiden: das insolvente Emissionshaus, die fortbestehende Fondsgesellschaft und die heutige Verwaltung. Für die Bewertung zählt allein die mittlere. Ihre Unterlagen sind bei der zuständigen Fondsverwaltung anzufordern.

DCM-Fonds am Zweitmarkt verkaufen

Sie besitzen Anteile an einem DCM-Fonds und erwägen einen Verkauf? Senden Sie mir einfach den Fondsnamen und den Nominalbetrag. Ich prüfe umgehend und unverbindlich, ob ein Ankauf aktuell möglich ist.

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Eduard Meider – Investor für geschlossene Fonds am Zweitmarkt

Über den Autor

Eduard Meider

Investor und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf den Zweitmarkt für geschlossene Fonds/AIFs, insbesondere in den Assetklassen Immobilien und Schiffe.

Nach seinem Studium zum Master of Science in Internationaler Finanzwirtschaft an der HWR Berlin blickt er auf über 10 Jahre berufliche Investmenterfahrung zurück, unter anderem als Investment- und Fondsmanager für ein Family Office und dessen Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf geschlossene Immobilienfonds. Zuvor durchlief er Stationen in der Wirtschaftsprüfung bei PwC und im Venture Capital bei der KLINGEL-Gruppe.

Zudem ist er Autor international erschienener Fachbücher, unter anderem „Decentralized Finance für Einsteiger“ sowie „Financial Innovation and Value Creation“ bei Springer.

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