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Die Emissionshäuser hinter den deutschen Schiffsfonds – ein Überblick

Die kurze Antwort

Deutsche Schiffsfonds wurden von Emissionshäusern aufgelegt, die Fondskonzept, Platzierung und meist die Treuhandverwaltung übernahmen. Bekannte Namen sind Conti, CFB, HCI und Lloyd Fonds. Für Anleger ist der Initiator heute vor allem der Zugang zu den Unterlagen.

Wer einen alten Zeichnungsschein in der Hand hält, findet darauf zwei Namen: den der Fondsgesellschaft und den des Emissionshauses. Der zweite ist oft der bekanntere, und er entscheidet in der Praxis darüber, an wen sich ein Anleger heute wenden muss. Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Anbieter ein, nennt ihre Fondsreihen und beschreibt, was ihre Rolle für eine bestehende Beteiligung bedeutet.

Überblick: Emissionshäuser für Schiffsbeteiligungen

ROLLE Das Emissionshaus konzipierte den Fonds, platzierte das Eigenkapital und stellte in aller Regel den Treuhänder. Es war nicht Reeder und meist auch nicht Bereederer.

PRÄGUNG Weichkostenquote, Fremdkapitalanteil, Währung der Finanzierung und Wahl des Bereederers gingen auf den Initiator zurück und bestimmten den späteren Verlauf mit.

HEUTE Viele Häuser haben das Neugeschäft eingestellt, wurden übernommen oder abgewickelt. Die Verwaltung der Altfonds liegt häufig bei Nachfolge- oder Servicegesellschaften.

PRAKTISCHE BEDEUTUNG Über den Initiator oder seinen Rechtsnachfolger laufen Geschäftsberichte, Treuhandregister, Ausschüttungsabrechnungen und die Zustimmung zur Übertragung.

Was ein Emissionshaus tatsächlich tat

Das Emissionshaus, auch Initiator genannt, stand am Anfang jedes geschlossenen Schiffsfonds. Es entwickelte das Fondskonzept, gründete die Kommanditgesellschaft, erstellte den Verkaufsprospekt, organisierte die Fremdfinanzierung und platzierte das Eigenkapital über Banken und freie Vertriebe. In der Regel stellte es zusätzlich den Treuhänder, über den die meisten Anleger ihre Beteiligung hielten.

Was das Emissionshaus meist nicht war: Reeder. Der Betrieb des Schiffes lag bei einer Bereederungsgesellschaft, häufig einer traditionsreichen Reederei, die vertraglich gebunden wurde. Manche Häuser gehörten selbst zu einer Reedereigruppe, andere waren reine Finanzvertriebe ohne maritime Wurzeln. Dieser Unterschied ist für die Einordnung eines Altfonds relevanter, als er auf den ersten Blick wirkt.

Vier Entscheidungen des Initiators prägten den späteren Verlauf einer Beteiligung. Die Weichkostenquote bestimmte, wie viel des gezeichneten Kapitals überhaupt im Schiff ankam. Die Fremdkapitalquote bestimmte den Hebel und damit die Verwundbarkeit in der Krise. Die Währung der Finanzierung entschied darüber, ob zusätzliche Kursrisiken entstanden. Und die Wahl des Bereederers bestimmte die Qualität des Betriebs über zwei Jahrzehnte. Wie sich diese Stellschrauben in der Schifffahrtskrise auswirkten, ordnet der Beitrag Geschlossene Schiffsfonds ein.

Die wichtigsten Häuser im Überblick

Die folgende Übersicht ordnet die Anbieter nach ihrer Herkunft. Sie ist keine Bewertung und keine vollständige Liste; sie nennt die Namen, die auf Zeichnungsscheinen am häufigsten auftauchen.

Emissionshäuser für Schiffsbeteiligungen und ihre Fondsreihen
Haus Herkunft und Profil Typische Fondsbezeichnung
Conti Münchner Emissionshaus mit langjähriger Verbindung zur Reederei NSB. Zahlreiche Container- und Tankerfonds. CONTI Beteiligungsfonds mit römischer Ziffer, häufig mit Zusatz „Classic“; Schiffsnamen mit Präfix MS oder MT
CFB (Commerz Real) Fondsarm der Commerzbank-Gruppe, breit aufgestellt über Schiffe, Immobilien und Flugzeuge. CFB-Fonds mit dreistelliger Nummer, ergänzt um den Schiffsnamen
HCI Capital Hamburger Anbieter, einer der größten Platzeure von Schiffsbeteiligungen. Später mit anderen Häusern zusammengeführt. HCI Shipping Select mit römischer Ziffer; Einzelschiffsfonds mit MS-Präfix
Lloyd Fonds Hamburger Emissionshaus mit eigener Treuhandgesellschaft, breites Schiffsportfolio. Lloyd Fonds Schiffsportfolio und Einzelschiffsfonds
Oltmann Gruppe Leeraner Anbieter aus dem ostfriesischen Reedereiumfeld, viele kleinere Einheiten. Oltmann-Fonds mit fortlaufender Nummer
Briese Schiffahrt Reederei aus Leer mit eigenem Beteiligungsangebot, Schwerpunkt Mehrzweckfrachter. Einzelschiffsgesellschaften mit MS-Präfix
MCE Hamburger Anbieter, vor allem Container- und Feederschiffe. MCE Schiffsfonds mit fortlaufender Nummer
König & Cie. Hamburger Emissionshaus mit Schiffs-, Flugzeug- und Energiefonds. König & Cie. Renditefonds mit Nummer und Schiffsnamen

Weitere Namen begegnen Anlegern regelmäßig, ohne dass sie Initiatoren im engeren Sinne waren: Bereederungsgesellschaften wie die Reederei Russ oder Norddeutsche Vermögen tauchen im Fondsnamen auf, waren aber für den Betrieb und nicht für die Platzierung zuständig. Umgekehrt haben Banken und Vertriebe Fonds unter eigenem Namen vertrieben, die von einem anderen Haus konzipiert wurden.

Was aus den Häusern geworden ist, unterscheidet sich stark. Einige haben das Neugeschäft eingestellt und verwalten nur noch Altbestände. Andere wurden übernommen, umfirmiert oder in Servicegesellschaften überführt, die die Treuhandverwaltung fortführen. Wieder andere sind selbst insolvent gegangen, wobei die Fondsgesellschaften davon rechtlich unberührt bleiben: Eine Kommanditgesellschaft nach § 161 HGB ist ein eigenständiger Rechtsträger und geht nicht mit ihrem Initiator unter.

Wie Sie Ihren Initiator am Zeichnungsschein erkennen

Auf älteren Unterlagen stehen häufig drei bis vier verschiedene Firmen, und es ist nicht immer offensichtlich, welche welche Rolle hatte. Die Zuordnung gelingt über die Funktion.

  • Die Fondsgesellschaft ist die Kommanditgesellschaft, an der die Beteiligung besteht. Sie trägt meist den Schiffsnamen und endet auf „GmbH & Co. KG“. Sie ist im Handelsregister eingetragen und der maßgebliche Rechtsträger.
  • Das Emissionshaus erscheint auf dem Prospektdeckblatt und im Impressum des Verkaufsprospekts, oft mit dem Zusatz „Anbieterin“ oder „Initiatorin“.
  • Der Treuhänder ist die Gesellschaft, an die die Beitrittserklärung gerichtet war und von der die jährlichen Abrechnungen kommen. Sie gehörte in der Regel zum Emissionshaus.
  • Der Bereederer wird im Prospekt unter Vertragspartnern genannt und ist die Reederei, die das Schiff betreibt.

Fehlen die Unterlagen vollständig, hilft der Handelsregisterauszug der Fondsgesellschaft weiter, abrufbar über das gemeinsame Registerportal der Länder. Aus ihm ergeben sich Komplementärin, Sitz und aktuelle Geschäftsführung – und darüber lässt sich der heutige Ansprechpartner ermitteln.

Wer welche Rolle hatte

Schematische Darstellung der vier Beteiligten, die auf einem Zeichnungsschein nebeneinander auftauchen können.

KG

Fondsgesellschaft

Die Kommanditgesellschaft, an der die Beteiligung besteht. Sie besitzt das Schiff oder die Schiffe, trägt häufig den Schiffsnamen und ist im Handelsregister eingetragen.

EH

Emissionshaus

Konzipierte den Fonds, erstellte den Verkaufsprospekt und platzierte das Eigenkapital. Steht im Prospektimpressum als Anbieterin oder Initiatorin.

TH

Treuhänder

Hält die Beteiligung für den Anleger, führt das Treuhandregister und versendet die jährlichen Abrechnungen. Gehörte in der Regel zum Emissionshaus.

BR

Bereederer

Die Reederei, die das Schiff technisch und kaufmännisch betreibt. Im Prospekt unter den Vertragspartnern genannt.

Warum der Initiator für einen Verkauf wichtig ist

Für die Bewertung einer Beteiligung zählt der Zustand des Schiffes und der Gesellschaft, nicht der Name auf dem Prospekt. Für die Abwicklung ist der Initiator dagegen zentral, weil vier Dinge über ihn oder seinen Rechtsnachfolger laufen.

Unterlagen. Geschäftsberichte, Ausschüttungsabrechnungen und Steuermitteilungen kommen vom Treuhänder oder der Verwaltungsgesellschaft. Ohne diese Dokumente lässt sich weder bewerten noch übertragen. Bei geerbten Beteiligungen kommt der Erbnachweis hinzu; der Ablauf ist fondsübergreifend gleich und am Beispiel der Immobilienfonds im Beitrag Erbschaft geschlossener Immobilienfonds beschrieben.

Zustimmung zur Übertragung. Nahezu jeder Gesellschaftsvertrag verlangt sie. Erteilt wird sie von der Komplementärin, der Geschäftsführung oder dem Treuhänder – also aus dem Umfeld des Initiators.

Registerführung. Bei Treugeberbeteiligungen führt der Treuhänder das Register, in dem die Umschreibung erfolgt. Bei Direktkommanditisten tritt zusätzlich das Handelsregister hinzu.

Formalien. Manche Häuser arbeiten mit eigenen Formularen für Übertragung und Zustimmung, teils mit Fristen zu Quartals- oder Geschäftsjahresenden. Wer das früh klärt, verkürzt den Ablauf erheblich. Wie der Verkauf im Einzelnen abläuft, steht im Beitrag Schiffsbeteiligung verkaufen; die steuerliche Seite behandelt der Beitrag Tonnagesteuer bei Schiffsfonds.

Häufige Fragen zu Schiffsfonds-Emissionshäusern

Was ist der Unterschied zwischen Emissionshaus, Reederei und Fondsgesellschaft?

Die Fondsgesellschaft ist die Kommanditgesellschaft, an der die Beteiligung besteht; sie besitzt das Schiff oder die Schiffe und ist im Handelsregister eingetragen. Das Emissionshaus hat diese Gesellschaft konzipiert, den Prospekt erstellt und das Eigenkapital platziert. Die Reederei betreibt das Schiff im Rahmen eines Bereederungsvertrags. Alle drei können unterschiedliche Unternehmen sein und tauchen nebeneinander auf dem Zeichnungsschein auf.

Mein Emissionshaus existiert nicht mehr. Ist meine Beteiligung damit wertlos?

Nein. Die Fondsgesellschaft ist ein eigenständiger Rechtsträger und besteht unabhängig vom Initiator fort. Auch bei Insolvenz oder Auflösung des Emissionshauses bleibt die Kommanditgesellschaft bestehen, und die Beteiligung behält den Wert, den ihre wirtschaftliche Lage hergibt. Verwaltung und Treuhandfunktion werden in solchen Fällen meist von einer Nachfolge- oder Servicegesellschaft fortgeführt.

Wie finde ich heraus, wer meine Beteiligung heute verwaltet?

Über die letzte Post: Geschäftsbericht, Ausschüttungsabrechnung oder Steuermitteilung nennen den aktuellen Treuhänder oder die Verwaltungsgesellschaft. Fehlen diese Unterlagen, führt der Handelsregisterauszug der Fondsgesellschaft weiter. Aus ihm ergeben sich Komplementärin, Sitz und aktuelle Geschäftsführung, und darüber lässt sich der heutige Ansprechpartner ermitteln.

Sagt der Name des Emissionshauses etwas über den Wert meiner Beteiligung?

Nur mittelbar. Für die Bewertung zählen Zustand und Alter des Schiffes, Charterlage, Restvaluta des Fremdkapitals und Liquidität der Gesellschaft. Der Initiator hat diese Größen zwar mitgeprägt, etwa über Weichkostenquote und Fremdkapitalanteil, doch entscheidend ist der heutige Zustand der konkreten Gesellschaft. Zwei Fonds desselben Hauses können völlig unterschiedlich dastehen.

Wer muss der Übertragung meiner Beteiligung zustimmen?

Das regelt der Gesellschaftsvertrag. Zuständig ist in aller Regel die Komplementärin, die Geschäftsführung der Fondsgesellschaft oder der Treuhänder, also eine Gesellschaft aus dem Umfeld des ursprünglichen Emissionshauses. Die Zustimmung darf meist nicht willkürlich verweigert werden, kann aber an Bedingungen geknüpft sein, etwa Nachweise zur Person des Erwerbers oder dessen Beitritt zum Treuhandvertrag.

Fazit und Ausblick

Die Emissionshäuser haben den deutschen Schiffsfondsmarkt aufgebaut und mit ihm die Rolle Deutschlands als einer der wichtigsten Kapitalgeber der internationalen Containerschifffahrt. Ihre Entscheidungen zu Weichkosten, Fremdkapital und Währung wirken bis heute in den Altbeständen nach. Das Neugeschäft haben die meisten eingestellt.

Für Anleger ist der Initiator heute vor allem eine Adresse. Über ihn oder seinen Rechtsnachfolger laufen die Unterlagen, die Zustimmung zur Übertragung und die Registerführung. Wer eine Beteiligung bewerten oder verkaufen will, braucht diesen Zugang; den Wert selbst bestimmt er nicht. Maßgeblich bleibt die einzelne Gesellschaft, nicht der Name auf dem Prospektdeckblatt.

Schiffsbeteiligung am Zweitmarkt verkaufen

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Eduard Meider – Investor für geschlossene Fonds am Zweitmarkt

Über den Autor

Eduard Meider

Investor und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf den Zweitmarkt für geschlossene Fonds/AIFs, insbesondere in den Assetklassen Immobilien und Schiffe.

Nach seinem Studium zum Master of Science in Internationaler Finanzwirtschaft an der HWR Berlin blickt er auf über 10 Jahre berufliche Investmenterfahrung zurück, unter anderem als Investment- und Fondsmanager für ein Family Office und dessen Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf geschlossene Immobilienfonds. Zuvor durchlief er Stationen in der Wirtschaftsprüfung bei PwC und im Venture Capital bei der KLINGEL-Gruppe.

Zudem ist er Autor international erschienener Fachbücher, unter anderem „Decentralized Finance für Einsteiger“ sowie „Financial Innovation and Value Creation“ bei Springer.

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