+49 (0) 17648086655

Telefon

info@em-strategy.com

E-Mail

Zweitmarkt für geschlossene Fonds: Wie der Handel mit Fondsanteilen funktioniert

Die kurze Antwort

Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds ist der Markt für bereits bestehende Fondsanteile. Weil die Fondsgesellschaft Anteile während der Laufzeit nicht zurücknimmt, wechseln sie dort per Kaufvertrag und Übertragung den Inhaber, überwiegend außerbörslich und ohne laufenden Kurs.

Wer einen geschlossenen Fonds zeichnet, wird Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft und bindet sein Kapital für die gesamte Laufzeit. Eine Rückgabe wie beim Investmentfonds im Depot ist nicht vorgesehen. Der Zweitmarkt füllt diese Lücke: Er ist der Ort, an dem Beteiligungen an Immobilien-, Schiffs-, Flugzeug-, Energie- und Private-Equity-Fonds vor dem Ende der Laufzeit den Inhaber wechseln.

Dieser Beitrag erklärt den Zweitmarkt als Marktbegriff: wie er sich vom Erstmarkt unterscheidet, wer an einer Übertragung beteiligt ist, auf welcher rechtlichen Grundlage ein Anteil den Inhaber wechselt, warum es keinen Kurs gibt und welche Rolle das Kapitalanlagegesetzbuch spielt. Wie ein Verkauf praktisch abläuft, beschreibt ein eigener Leitfaden, auf den die passenden Stellen verweisen.

Überblick: Zweitmarkt geschlossene Fonds

DEFINITION Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds ist der Handel mit bestehenden Anteilen an geschlossenen Fonds, auch geschlossene Beteiligungen genannt, und an geschlossenen AIF während der Laufzeit; auf dem Erstmarkt werden Anteile nur während der Platzierung ausgegeben.

RÜCKGABE Eine Rückgabe an die Fondsgesellschaft ist bei geschlossenen Fonds nicht vorgesehen und die ordentliche Kündigung meist ausgeschlossen; der Zweitmarkt ist deshalb der übliche Weg aus einer laufenden Beteiligung.

ÜBERTRAGUNG Ein Anteil wechselt durch Kaufvertrag und Abtretung den Inhaber; die Fondsgesellschaft oder der Treuhänder stimmen zu und schreiben den Anteil um, bei Direktkommanditisten zusätzlich das Handelsregister.

PREIS Es gibt keinen laufenden Kurs. Jeder Anteil wird einzeln bewertet, ausgehend vom Anteilswert (NAV: Wert der Fondsobjekte zuzüglich Liquidität abzüglich Verbindlichkeiten) und angepasst um Restlaufzeit und Risiken.

AIF Seit dem Kapitalanlagegesetzbuch von 2013 heißen neu aufgelegte geschlossene Fonds geschlossene AIF; für ihre Anteile gilt am Zweitmarkt dasselbe Prinzip wie für ältere Fonds.

Fondsanteile verkaufen, ohne Umweg: Anfrage direkt an den Käufer.

Zur Verkaufsanfrage ↓

Was ist der Zweitmarkt für geschlossene Fonds?

Als Zweitmarkt für geschlossene Fonds wird der Handel mit bestehenden Gesellschaftsanteilen während der Laufzeit eines Fonds bezeichnet, in den meisten Fällen mit Kommanditanteilen. Häufig ist auch vom Zweitmarkt für geschlossene Beteiligungen die Rede. So definiert ihn auch der Artikel „Zweitmarkt für geschlossene Fonds“ der Wikipedia. Gehandelt wird nicht ein Wertpapier, sondern die Stellung als Gesellschafter mit allen Rechten und Pflichten aus dem Gesellschaftsvertrag: Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung, Anteil am Ergebnis und an Ausschüttungen, Anspruch auf den Liquidationserlös, aber auch die Haftung bis zur Höhe der Einlage.

Der Begriff „geschlossen“ beschreibt den Fonds selbst: Ist das geplante Eigenkapital eingeworben, wird der Fonds für neue Anleger geschlossen. Danach entstehen keine neuen Anteile mehr; wer einsteigen oder aussteigen will, kann das nur noch über einen bestehenden Anteil tun. Was eine solche Beteiligung rechtlich bedeutet, erklärt der Beitrag Was sind geschlossene Fonds.

Der Zweitmarkt ist deshalb kein einzelner Handelsplatz, sondern die Gesamtheit aller Übertragungen bestehender Anteile. Jede Übertragung ist ein eigener Vertrag zwischen bisherigem und neuem Gesellschafter, der erst mit Zustimmung der Gesellschaft und Umschreibung wirksam wird.

Wie unterscheidet sich der Zweitmarkt vom Erstmarkt?

Auf dem Erstmarkt entsteht eine Beteiligung neu, auf dem Zweitmarkt wechselt eine bestehende Beteiligung den Inhaber. Die Unterschiede betreffen Preis, Informationslage und Kosten.

Erstmarkt und Zweitmarkt für geschlossene Fonds
Merkmal Erstmarkt Zweitmarkt
Zeitpunkt während der Platzierung während der Laufzeit, bis zur Liquidation
Vertragspartner Fondsgesellschaft (Beitritt) bisheriger Gesellschafter (Kaufvertrag)
Preis Nominalbetrag zuzüglich Ausgabeaufschlag (Agio) frei vereinbart, nach Einzelbewertung
Informationslage Prospekt mit Prognosen tatsächliche Entwicklung aus Geschäftsberichten
Anfangskosten Weichkosten für Vertrieb, Konzeption und Finanzierung bereits angefallen, im Preis berücksichtigt
Restlaufzeit volle geplante Laufzeit verbleibende, oft unbestimmte Laufzeit

Der wichtigste Unterschied liegt in der Informationslage. Wer auf dem Erstmarkt zeichnet, verlässt sich auf die Prognosen des Prospekts. Am Zweitmarkt ist erkennbar, wie sich Vermietung, Charter oder Einspeisung tatsächlich entwickelt haben, wie hoch die Darlehen noch sind und ob die Ausschüttungen dem Plan entsprochen haben. Der Preis eines Anteils bildet diese Entwicklung ab und nicht mehr die ursprüngliche Erwartung.

Zweitmarkt für geschlossene Fonds – Kauf- und Übertragungsvertrag für einen Fondsanteil
Zweitmarkt für geschlossene Fonds: Ein bestehender Anteil wechselt per Kauf- und Übertragungsvertrag den Inhaber.

Warum gibt es einen Zweitmarkt für geschlossene Fonds?

Einen Zweitmarkt gibt es, weil ein geschlossener Fonds Anteile während der Laufzeit nicht zurücknimmt und die Laufzeiten lang sind. Nach der Wikipedia liegen sie oft bei über zehn Jahren; in der Praxis verlängern sie sich, wenn Objekte nicht zum geplanten Zeitpunkt verkauft werden. Eine ordentliche Kündigung schließen viele Gesellschaftsverträge für die feste Laufzeit aus, und nach Angaben der BaFin haben Anleger eines geschlossenen Publikumsfonds während der Laufzeit kein Rückgaberecht.

🔒 Keine Rücknahme Die Fondsgesellschaft nimmt Anteile während der Laufzeit nicht zurück.
⏳ Lange Laufzeit Oft über zehn Jahre, häufig länger als im Prospekt geplant.
📄 Kündigung begrenzt Die ordentliche Kündigung ist während der festen Laufzeit oft ausgeschlossen.
👥 Lebensumstände ändern sich Liquiditätsbedarf, Ruhestand oder ein Erbfall passen nicht zum Fondsplan.

Ganz anders funktionieren offene Fonds: Dort nimmt die Kapitalverwaltungsgesellschaft Anteile zurück, bei offenen Immobilienfonds mit gesetzlichen Fristen. Die Unterschiede beider Fondsformen beschreibt der Beitrag Offene und geschlossene Fonds im Vergleich.

Anlass für einen Verkauf sind meist Liquiditätsbedarf, eine enttäuschende Entwicklung oder ein Erbfall. Klassische geschlossene Fonds wurden im sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“ vertrieben. Wie oft Prognosen verfehlt wurden, zeigt eine Auswertung der Stiftung Warentest (Finanztest, 2015): Von 1.139 untersuchten Fonds erreichten 6 % ihre Prognose, 69 % endeten für die Anleger mit Kapitalverlust. Für viele Anleger ist der Zweitmarkt deshalb weniger eine Gelegenheit als der einzige Weg, eine Beteiligung vor dem Ende der Laufzeit zu beenden.

Wer ist an einer Übertragung am Zweitmarkt beteiligt?

An jeder Übertragung am Zweitmarkt wirken neben Verkäufer und Erwerber die Fondsgesellschaft und, je nach Beteiligungsform, der Treuhänder und das Handelsregister mit. Ihre Rollen ergeben sich aus dem Gesellschaftsvertrag und dem Gesetz:

  • Verkäufer: der bisherige Gesellschafter, also der Anleger selbst, seine Erben oder ein Testamentsvollstrecker, der den Nachlass verwaltet.
  • Erwerber: der neue Gesellschafter, der mit dem Anteil in die Rechte und Pflichten aus dem Gesellschaftsvertrag eintritt.
  • Fondsgesellschaft: Die Geschäftsführung erteilt die Zustimmung zur Übertragung, sofern der Gesellschaftsvertrag sie verlangt, und führt das Gesellschafterverzeichnis.
  • Treuhandkommanditist: Er hält die Anteile vieler Anleger im eigenen Namen und schreibt den Anteil in seinem Register auf den neuen Treugeber um.
  • Handelsregister: Bei Direktkommanditisten werden Ein- und Austritt eingetragen (§ 162 HGB).

Welche dieser Stellen tätig wird, hängt vor allem davon ab, ob der Anleger direkt im Handelsregister steht oder über einen Treuhänder beteiligt ist. Bei Treuhandbeteiligungen bleibt das Handelsregister unverändert, weil dort nur der Treuhänder eingetragen ist.

Wie wird ein Fondsanteil am Zweitmarkt übertragen?

Ein Fondsanteil wird nicht wie eine Aktie übertragen, sondern durch Abtretung der Gesellschafterstellung, die nach dem Gesellschaftsvertrag meist der Zustimmung bedarf. Grundlage ist die Abtretung von Rechten nach § 413 BGB in Verbindung mit den Vorschriften über die Forderungsabtretung. Bei Treugebern wird die Rechtsstellung aus dem Treuhandvertrag übertragen. Die Übertragung durchläuft vier Stationen:

1

Kauf- und Übertragungsvertrag

Verkäufer und Erwerber vereinbaren Preis, Übertragungsstichtag und die Abtretung des Anteils. Der Vertrag regelt auch, wem Ergebnisse und Ausschüttungen ab welchem Zeitpunkt zustehen.

2

Zustimmung der Gesellschaft

Geschäftsführung oder Treuhänder stimmen der Übertragung zu (Vinkulierung). Nach der Wikipedia kann die Zustimmung meist nur aus wichtigem Grund versagt werden.

3

Umschreibung

Der Treuhänder schreibt den Anteil in seinem Register um; bei Direktkommanditisten wird zusätzlich das Handelsregister geändert.

4

Wirksamkeit zum Stichtag

Mit der Umschreibung gilt der Erwerber gegenüber der Gesellschaft als Gesellschafter; Ergebniszuweisung und Ausschüttungen folgen dem vereinbarten Stichtag.

Aus meiner Ankaufspraxis

Bis eine Übertragung wirksam wird, zählt nicht nur das Datum des Kaufvertrags. Gesellschaftsrechtlich gehen die Anteile, die ich ankaufe, zu einem festen Stichtag über: je nach Fonds zum Monats- oder Quartalsende, in den meisten Fällen zum Jahresende.

Bis zu diesem Stichtag bleibt der Verkäufer Gesellschafter mit allen Rechten und Pflichten. Der Kaufvertrag regelt deshalb ausdrücklich, wem Ergebnis und Ausschüttungen bis dahin zustehen.

Eine Rolle spielt außerdem die Haftung. Kommanditisten haften bis zur Höhe ihrer Einlage (§ 171 HGB). Wurde die Einlage durch Ausschüttungen zurückgezahlt, die nicht aus Gewinnen stammen, kann die Haftung nach § 172 Abs. 4 HGB wieder aufleben. Der Kaufvertrag kann regeln, wer dieses Risiko im Innenverhältnis trägt. Hinzu kommen vertragliche Besonderheiten wie Vorkaufsrechte, Mindestbeteiligungen oder Regeln zur Teilung eines Anteils.

Gilt der Zweitmarkt auch für geschlossene AIF?

Seit dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) von 2013 werden neu aufgelegte geschlossene Fonds als geschlossene AIF (Alternative Investmentfonds) bezeichnet; für den Zweitmarkt gilt für beide dasselbe Grundprinzip. Das Gesetz bestimmt geschlossene AIF über eine Abgrenzung: § 1 Abs. 5 KAGB nennt alle AIF geschlossen, die keine offenen AIF sind. Typisch ist, dass Anleger ihre Anteile nicht an die Gesellschaft zurückgeben können.

Neben geschlossenen AIF werden am Zweitmarkt Anteile an Fonds übertragen, die vor 2013 aufgelegt wurden. Für sie gilt das Recht zum Zeitpunkt ihrer Auflage. Am Weg aus der Beteiligung ändert das wenig: Auch ein Anteil an einem geschlossenen AIF wird durch Vertrag auf einen neuen Gesellschafter übertragen, mit Zustimmung der Gesellschaft und Umschreibung.

Warum gibt es am Zweitmarkt keinen Kurs?

Am Zweitmarkt gibt es keinen laufenden Kurs, weil jeder Fonds ein Einzelfall mit eigenen Objekten, Darlehen und Verträgen ist und nur wenige Anteile eines Fonds gehandelt werden. Die Wikipedia beschreibt den Markt als wenig liquide und die Fonds als schlecht vergleichbar; marktgerechte Preise sind deshalb nicht garantiert. Auch die BaFin weist auf das geringe Handelsvolumen hin, weshalb Verkäufe meist zu Preisen deutlich unter dem rechnerischen Wert stattfinden. Eine staatliche Kontrolle des Handels gibt es nicht.

Der Preis eines Anteils entsteht deshalb aus einer Einzelbewertung. Grundlage ist meist der Anteilswert (Net Asset Value, NAV): Wert der Fondsobjekte zuzüglich Liquidität abzüglich Verbindlichkeiten. Restlaufzeit, Zustand der Objekte, Finanzierung und Haftungsrisiken bestimmen, wie weit der Preis davon abweicht. Welche Faktoren im Einzelnen wirken, beschreibt der Leitfaden Geschlossene Fonds verkaufen im Abschnitt zur Preisbildung.

Vom Nominalbetrag zum Preis am Zweitmarkt

Nominalbetrag (bei der Zeichnung eingezahlt) Ausgangsgröße
– Weichkosten bei der Auflage (Vertrieb, Konzeption, Finanzierung)
± tatsächliche Entwicklung (Objektwert, Tilgung, Ausschüttungen, Liquidität)
= Anteilswert (NAV) Stichtagswert
– risikobedingt angepasster Preis (Restlaufzeit, Objektzustand, Haftung)
= Kaufpreis am Zweitmarkt
Schematische Darstellung ohne Zahlenwerte. Der NAV ergibt sich aus dem Wert der Fondsobjekte zuzüglich Liquidität abzüglich Verbindlichkeiten.

Ein Preis unter dem Nominalbetrag ist am Zweitmarkt häufig. Der Nominalbetrag nennt, was einmal eingezahlt wurde, nicht, was ein Anteil wert ist. Ein Teil davon floss bei der Auflage in Vertrieb, Konzeption und Finanzierung und war nie in den Objekten angelegt. Liegt der Kaufpreis unter dem NAV, ist die Differenz keine Gebühr, sondern der Preis für die Risiken und die Kapitalbindung, die der Erwerber übernimmt.

Welche Fondsarten werden am Zweitmarkt gehandelt?

Am Zweitmarkt werden Anteile aller Arten geschlossener Fonds übertragen; die Wikipedia nennt Schiffs-, Immobilien- und Private-Equity-Fonds als Beispiele. Wie ein Anteil bewertet wird, hängt vom Anlagegegenstand ab:

Fondsarten am Zweitmarkt und ihre Werttreiber
Fondsart Was den Wert eines Anteils bestimmt Ausführlich
Immobilienfonds Vermietung und Mieter, Laufzeit der Mietverträge, Darlehen und Zinsbindung, baulicher und energetischer Zustand Geschlossene Immobilienfonds verkaufen
Schiffsfonds Alter und Zustand des Schiffes, Charter, Fremdkapital, Liquidität, Tonnagesteuer Schiffsbeteiligung verkaufen
Flugzeugfonds Leasingvertrag, Leasingnehmer, Restwert des Flugzeugs Geschlossene Flugzeugfonds
Energie- und Solarfonds Einspeisevergütung, verbleibende Förderdauer, technischer Zustand, Restschuld Geschlossene Fonds verkaufen
Private-Equity- und Dachfonds Wert der Unternehmensbeteiligungen, gegebenenfalls ausstehende Einzahlungen Geschlossene Fonds verkaufen

Gemeinsam ist allen Fondsarten, dass die Bewertung auf Unterlagen beruht, die der Gesellschafter ohnehin erhält: Geschäftsberichte, Gesellschafterinformationen, Protokolle der Gesellschafterversammlungen und der jährliche Feststellungsbescheid. Je vollständiger diese Unterlagen sind, desto genauer lässt sich ein Anteil einordnen.

Was geht mit dem Anteil auf den Erwerber über?

Mit dem Anteil wechseln Chancen und Risiken des Fonds vom Verkäufer zum Erwerber: Der Verkäufer erhält einen festen Betrag, der Erwerber übernimmt die weitere Entwicklung. Nicht jedes Risiko geht dabei automatisch über; was beim Verkäufer bleibt, ergibt sich aus Gesellschaftsvertrag und Kaufvertrag.

Geht auf den Erwerber über

  • Anteil am künftigen Ergebnis und an künftigen Ausschüttungen
  • Anspruch auf den Liquidationserlös
  • Leerstands-, Charter-, Zins- und Sanierungsrisiken
  • Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung
  • Kapitalbindung bis zum Ende der Laufzeit

Bleibt zu klären

  • Haftung für Ausschüttungen vor der Übertragung (§ 172 Abs. 4 HGB)
  • Nachschusspflichten, die sich nicht in jedem Fall übertragen lassen
  • Zuordnung von Ergebnis und Ausschüttungen im Jahr der Übertragung
  • Steuerliche Folgen beim Verkäufer, etwa ein negatives Kapitalkonto

Dass sich Nachschusspflichten nicht in jedem Fall auf den Käufer übertragen lassen, nennt auch die Wikipedia als Risiko. Steuerlich wirkt der Verkauf wie jedes Ausscheiden: Ein Veräußerungsgewinn oder ein negatives Kapitalkonto wird im Jahr der Übertragung erfasst; welche Regeln gelten, hängt davon ab, ob der Fonds gewerblich oder vermögensverwaltend ist.

Was gilt für Erben am Zweitmarkt?

Mit dem Erbfall geht die Beteiligung auf die Erben über; für eine Übertragung am Zweitmarkt brauchen sie einen Erbnachweis, und in einer Erbengemeinschaft wirken alle Erben mit. Was für Erben bei Haftung, Steuer und Handelsregister gilt, beschreibt der Beitrag Erbschaft von geschlossenen Immobilienfonds.

Welche Missverständnisse gibt es über den Zweitmarkt?

Viele Fragen zum Zweitmarkt beruhen auf Vorstellungen aus dem Wertpapierhandel, die für Kommanditanteile nicht zutreffen. Vier Missverständnisse kommen besonders oft vor:

  • „Der Nominalbetrag ist der Wert des Anteils.“ Der Nominalbetrag nennt nur das eingezahlte Kapital. Der Wert ergibt sich aus der Entwicklung des Fonds und liegt meist darunter.
  • „Der Zweitmarkt ist eine Börse.“ Gehandelt wird überwiegend außerbörslich, jeder Anteil wird einzeln bewertet und per Vertrag übertragen. Einen laufenden Kurs gibt es nicht.
  • „Die Fondsgesellschaft nimmt den Anteil zurück.“ Eine Rücknahme ist bei geschlossenen Fonds nicht vorgesehen. Eine Kündigung ist nur möglich, wenn der Gesellschaftsvertrag sie zulässt, und führt zu einem Abfindungsguthaben, nicht zu einem Verkauf.
  • „Mit dem Verkauf ist alles erledigt.“ Zustimmung und Umschreibung brauchen Zeit, und für die Zeit vor der Übertragung können Haftungs- und Steuerfragen beim Verkäufer bleiben.

Was bedeutet der Zweitmarkt für Verkäufer?

Für den Verkäufer besteht der Weg über den Zweitmarkt aus wenigen, klar abgrenzbaren Schritten: Unterlagen, Angebot, Kaufvertrag, Zustimmung und Umschreibung, Zahlung. Die Alternativen zum Verkauf sind das Halten bis zur Liquidation und, wo der Gesellschaftsvertrag es zulässt, die Kündigung gegen ein Abfindungsguthaben; Voraussetzungen und Fristen beschreibt der Beitrag Geschlossene Immobilienfonds kündigen.

Zweitmarkt geschlossene Fonds – Vertragsabschluss bei der Übertragung eines Fondsanteils
Übertragung am Zweitmarkt: Nach dem Vertragsabschluss folgen Zustimmung der Gesellschaft und Umschreibung.

Ausführlich: Geschlossene Fonds verkaufen mit Ablauf, Unterlagen, Kosten, Dauer und Steuern; für Immobilienbeteiligungen: Geschlossene Immobilienfonds verkaufen.

Häufige Fragen zum Zweitmarkt für geschlossene Fonds (FAQ)

Was ist der Zweitmarkt für geschlossene Fonds?

Der Markt, auf dem bestehende Anteile an geschlossenen Fonds, auch geschlossene Beteiligungen genannt, und an geschlossenen AIF während der Laufzeit den Inhaber wechseln. Er ersetzt die Rückgabe, die bei geschlossenen Fonds nicht vorgesehen ist.

Gibt es am Zweitmarkt einen Kurs für Fondsanteile?

Nein. Es gibt keinen laufenden Kurs wie bei Aktien. Jeder Anteil wird einzeln bewertet, meist ausgehend vom Anteilswert (NAV) und angepasst um Restlaufzeit, Zustand der Objekte, Finanzierung und Haftungsrisiken.

Ist der Zweitmarkt für geschlossene Fonds staatlich beaufsichtigt?

Der Handel mit Anteilen unterliegt keiner staatlichen Kontrolle. Die Übertragung richtet sich nach dem Gesellschaftsvertrag des Fonds und nach den allgemeinen Regeln des BGB und HGB.

Kann die Fondsgesellschaft eine Übertragung verweigern?

Verlangt der Gesellschaftsvertrag eine Zustimmung, kann sie nach der Wikipedia meist nur aus wichtigem Grund versagt werden. Daneben können Vorkaufsrechte oder Mindestbeteiligungen eine Übertragung beeinflussen.

Können auch Treugeber ihren Anteil am Zweitmarkt übertragen?

Ja. Bei Treugebern wird die Rechtsstellung aus dem Treuhandvertrag übertragen, und der Treuhänder schreibt den Anteil in seinem Register um. Das Handelsregister bleibt unverändert, weil dort nur der Treuhänder eingetragen ist.

Gilt der Zweitmarkt auch für geschlossene AIF?

Ja. Geschlossene AIF nach dem KAGB werden wie ältere geschlossene Fonds durch Vertrag auf einen neuen Gesellschafter übertragen. Eine Rückgabe an die Gesellschaft ist auch bei ihnen in der Regel nicht vorgesehen.

Warum liegt der Preis am Zweitmarkt meist unter dem Nominalbetrag?

Weil der Nominalbetrag nur das eingezahlte Kapital nennt. Ein Teil davon floss bei der Auflage in Weichkosten, und der Preis berücksichtigt die tatsächliche Entwicklung des Fonds, die Restlaufzeit und die Risiken, die der Käufer übernimmt.

Was passiert mit einer Fondsbeteiligung im Erbfall?

Sie geht auf die Erben über, die damit Gesellschafter werden. Für eine Übertragung am Zweitmarkt ist ein Erbnachweis erforderlich; in einer Erbengemeinschaft wirken alle Erben mit. Einzelheiten beschreibt der Beitrag Erbschaft von geschlossenen Immobilienfonds.

Was unterscheidet den Kauf am Zweitmarkt von der Zeichnung eines neuen Fonds?

Bei der Zeichnung tritt der Anleger einem neuen Fonds bei und zahlt Nominalbetrag und Agio auf Grundlage der Prospektprognosen. Am Zweitmarkt übernimmt der Erwerber einen bestehenden Anteil zu einem frei vereinbarten Preis; die bisherige Entwicklung, die Restlaufzeit und die bereits angefallenen Weichkosten sind dann bekannt.

Glossar: Fachbegriffe zum Zweitmarkt für geschlossene Fonds

Erstmarkt
Ausgabe neuer Anteile während der Platzierung eines Fonds; der Anleger tritt der Fondsgesellschaft bei und zahlt Nominalbetrag und Agio.
Zweitmarkt
Übertragung bestehender Fondsanteile zwischen Anlegern während der Laufzeit, überwiegend außerbörslich.
Geschlossener AIF
Alternativer Investmentfonds nach dem KAGB, der kein offener AIF ist (§ 1 Abs. 5 KAGB); Nachfolgebegriff für neu aufgelegte geschlossene Fonds.
Kommanditanteil
Beteiligung an einer Kommanditgesellschaft mit auf die Einlage beschränkter Haftung; die übliche Form einer Beteiligung an einem geschlossenen Fonds.
Treuhandkommanditist
Gesellschafter, der Anteile für viele Anleger (Treugeber) hält und im Handelsregister eingetragen ist; die Anleger selbst stehen dann im Register des Treuhänders.
Vinkulierung
Regel im Gesellschaftsvertrag, nach der die Übertragung eines Anteils der Zustimmung von Geschäftsführung oder Treuhänder bedarf.
Nominalbetrag
Bei der Zeichnung vereinbarte Beteiligungssumme ohne Agio; keine Angabe über den Wert des Anteils.
Net Asset Value (NAV)
Wert der Fondsobjekte zuzüglich Liquidität abzüglich Verbindlichkeiten, anteilig je Anteil; ein Stichtagswert, kein Marktpreis.
Agio
Ausgabeaufschlag, den Anleger bei der Zeichnung zusätzlich zum Nominalbetrag zahlen; er fließt nicht in die Fondsobjekte.

Fazit: Zweitmarkt für geschlossene Fonds

Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds ist kein Börsenplatz, sondern die Gesamtheit der Übertragungen bestehender Anteile zwischen Anlegern. Er existiert, weil geschlossene Fonds und geschlossene AIF keine Rückgabe kennen und ihre Laufzeiten lang sind. Jeder Anteil wird einzeln bewertet und per Vertrag mit Zustimmung der Gesellschaft übertragen. Für den Inhaber einer Beteiligung bedeutet das: Ein vorzeitiger Ausstieg ist möglich, zu einem Preis, der die tatsächliche Entwicklung des Fonds widerspiegelt, und mit dem Übergang der weiteren Risiken auf den Erwerber.

Checkliste

  • Beteiligungsform: direkt im Handelsregister oder über einen Treuhänder?
  • Gesellschaftsvertrag: Zustimmungsvorbehalt, Vorkaufsrecht, Mindestbeteiligung, Kündigungsregeln?
  • Unterlagen: letzter Geschäftsbericht, Feststellungsbescheid, Gesellschafterinformationen
  • Wert: Wie hat sich der Fonds im Vergleich zum Prospekt entwickelt?
  • Haftung und Steuer: Ausschüttungen über dem Gewinn, Stand des Kapitalkontos, Einstufung des Fonds

Geschlossene Fonds am Zweitmarkt verkaufen

Sie besitzen Anteile an einem geschlossenen Fonds und erwägen einen Verkauf? Senden Sie mir einfach den Fondsnamen und den Nominalbetrag. Ich prüfe umgehend und unverbindlich, ob ein Ankauf aktuell möglich ist.

Jetzt Anfrage senden
Oder per E-Mail an: fonds@em-strategy.com
Eduard Meider – Investor für geschlossene Fonds am Zweitmarkt

Über den Autor

Eduard Meider

Investor und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf den Zweitmarkt für geschlossene Fonds/AIFs, insbesondere in den Assetklassen Immobilien und Schiffe. Er kauft Anteile an geschlossenen Fonds an und übernimmt die Abwicklung der Übertragung.

Nach seinem Studium zum Master of Science in Internationaler Finanzwirtschaft an der HWR Berlin blickt er auf über 10 Jahre berufliche Investmenterfahrung zurück, unter anderem als Investment- und Fondsmanager für ein Family Office und dessen Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf geschlossene Immobilienfonds. Zuvor durchlief er Stationen in der Wirtschaftsprüfung bei PwC und im Venture Capital bei der KLINGEL-Gruppe.

Zudem ist er Autor international erschienener Fachbücher, unter anderem „Decentralized Finance für Einsteiger“ sowie „Financial Innovation and Value Creation“ bei Springer.

LinkedIn  ·  fonds@em-strategy.com

Wichtiger Hinweis & Haftungsausschluss: Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen in diesem Text. Der Beitrag basiert auf journalistischer Recherche und dient ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Er stellt ausdrücklich keine Finanzberatung, Anlageempfehlung oder Vermittlung von Finanzinstrumenten dar. Jede Investitionsentscheidung und jede daraus resultierende Maßnahme erfolgt auf alleinige Verantwortung und Risiko des Lesers.